Kampagne #WeRemember

Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar

Seit 2017 ruft der Jüdische Weltkongress gemeinsam mit der UNESCO jedes Jahr zum 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, zu der weltweiten Gedenkkampagne „#WeRemember“ auf. Bei der Kampagne handelt es sich um eine digitale Erinnerungsaktion in den sozialen Medien.

Menschen auf der ganzen Welt sind gebeten, sich mit einem Plakat mit der Aufschrift „We Remember“ oder „I Remember“ zu fotografieren und diese Fotos auf sozialen Plattformen wie Twitter, Instagram oder Facebook unter dem Hashtag „#WeRemember“ zu veröffentlichen.

Eine weitere Möglichkeit der Beteiligung an der Aktion ist das Anstrahlen von Gebäuden mit dem Schriftzug „#WeRemember“. Die in den sozialen Medien hochgeladenen Fotos sind dann Teil einer Projektion auf dem Gelände von Auschwitz-Birkenau, die wiederum per Live-Stream über Facebook, Twitter und YouTube übertragen wird.

Ziel der Kampagne ist es, das Andenken der sechs Millionen jüdischen Opfer des Nationalsozialismus zu wahren und im Internet ein Zeichen gegen Antisemitismus und jede Form von Hass und Fremdenfeindlichkeit zu setzen. Zudem soll die Kampagne zur Aufklärung über den Holocaust beitragen und davor warnen, dass auch über soziale Medien Holocaustleugnung und Verschwörungsmythen verbreitet werden.

Ferner findet die Aktion vor dem Hintergrund statt, dass die Zahl der Zeitzeugen, die über den Holocaust berichten können, zunehmend schwindet.

Auf Vorschlag des Präsidenten des österreichischen Nationalrates, Wolfgang Sobotka, wurde im Mai 2021 auf der Konferenz der Parlamentspräsidentinnen und Parlamentspräsidenten in der EU vereinbart, dass sich die Parlamente im Jahr 2022 der Kampagne „#We Remember“ anschließen. Vor diesem Hintergrund hat das Präsidium des Bundestages am 17. November 2021 beschlossen, den Schriftzug „#WeRemember“ vom 22.-27. Januar 2022 von jeweils 16:00 Uhr bis 7:00 Uhr auf die westliche Seite des Reichstagsgebäudes projizieren zu lassen.

Darüber hinaus wird auf der Treppe des Westportals des Reichstagsgebäudes ein dreidimensionaler Schriftzug aufgestellt, der von Abgeordneten für Foto- und Filmaufnahmen als Hintergrund genutzt werden kann. Auch der Bundesrat beteiligt sich an der Gedenkkampagne, indem unter anderem das Gebäude illuminiert und mit dem Schriftzug „#WeRemember“ angestrahlt wird.

Bereits in den vorangegangenen Jahren ist die Kampagne in Deutschland auf breite Resonanz gestoßen. Am 27. Januar 2021 war die Aktion das meist besprochene Thema in den sozialen Medien in Deutschland. Zahlreiche Bundestagsabgeordnete, fast alle Mitglieder des Bundeskabinetts, alle Ministerpräsidenten sowie Landtagsabgeordnete und Bürgermeister veröffentlichten entsprechende Fotos und Texte. Zudem folgten Vertreter beider christlicher Kirchen, große deutsche Unternehmen und einige Fußballvereine der Bundesliga dem Aufruf.

Darüber hinaus wurden auch öffentliche Gebäude mit dem Schriftzug „#WeRemember“ angestrahlt, zum Beispiel der Berliner Hauptbahnhof und das Auswärtige Amt am Werderschen

Auch weltweit fand die Kampagne großen Zuspruch. So beteiligten sich zum Beispiel das Weiße Haus, die Vereinten Nationen, die EU-Kommission und Mitglieder des Europäischen Parlaments. Das österreichische Parlament projizierte den Schriftzug „#WeRemember“ auf das Parlamentsgebäude.

Die Beteiligung des Bundestages an der Gedenkkampagne „#WeRemember“ stellt eine Ergänzung zu den jährlich im Bundestag stattfindenden Veranstaltungen zum 27. Januar dar. Bereits seit 1996 wird dieser Tag in der Bundesrepublik als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus begangen. Die Regierungsparteien haben in ihrem Koalitionsvertrag vom Dezember 2021 zudem vereinbart, den Gedenktag aufwerten zu wollen. Darüber hinaus wurde der 27. Januar im Jahr 2005 von der Vollversammlung der Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt. Das Datum selbst verweist auf die Befreiung der Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch sowjetische Soldaten am 27. Januar 1945.

Im Mittelpunkt des Gedenkens steht die Gedenkstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages. Bei dieser sprechen nach einer Ansprache der Bundestagspräsidentin bzw. des Bundestagspräsidenten zumeist Überlebende der nationalsozialistischen Verbrechen. Auch der Bundespräsident hält üblicherweise einmal je Amtszeit eine Ansprache. In diesem Jahr wird die Gedenkrede von der Zeitzeugin Inge Auerbacher, die als junges Mädchen das Konzentrationslager Theresienstadt überlebte, gehalten werden.

Ebenfalls wird der Präsident der Knesset, Mickey Levy, das Wort ergreifen. Anlässlich des Gedenktages findet zudem seit 1997 eine vom Bundestag organisierte mehrtägige Jugendbegegnung mit deutschen und ausländischen Jugendlichen statt.

In diesem Jahr wird die Jugendbegegnung auf Grund der Pandemie mit einer reduzierten Teilnehmeranzahl und nur mit von inländischen Gedenkstätten und Organisationen benannten Teilnehmern stattfinden. Die ebenfalls jährlich stattfindende Ausstellung in den Gebäuden des Bundestages wird in diesem Jahr vor dem Hintergrund des 80. Jahrestages der Wannsee-Konferenz von der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz kuratiert.

Quellen und Literatur:

- Informationen auf der Internetseite des World Jewish Congress: https://www.worldjewishcongress.org/en/news/weremember-wjc-commemorates-international-holocaust-remembrance-day; https://weremember.worldjewishcongress.org/

- Prinz, Sebastian: Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag, In: Sebastian Liebold et al. (Hrsg.): Demokratie in unruhigen Zeiten: Festschrift für Eckhard Jesse, Baden Baden2018, S.319-329, abrufbar unter: https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/9783845284637-318/der-tag-des-gedenkens-an-die-opfer-des nationalsozialismus-im-deutschen-bundestag

- Schlussfolgerungen des Vorsitzes der Konferenz der Präsidentinnen und Präsidenten der Parlamente der EU- Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlaments vom 10. Mai 2021, S. 5-6 unter dem Punkt „Verantwortung und Erinnerung, abrufbar unter:

https://www.bundestag.de/resource/blob/870554/9818c3c3cba6aa1536947e09e3d07ccb/schlussfolgerung- data.pdf

- Wissenschaftliche Dienste: Aktueller Begriff: Vor 25 Jahren: Einführung des „Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ am 27. Januar, aktualisierte Fassung vom 12. Januar 2021, abrufbar unter: https://www.bundestag.de/resource/blob/816724/d694d646236cd10d2a3b5331c948a93a/Gedenktag-27-Januar-vor-25-Jahren-data.pdf


Deutscher Bundestag

Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages unterstützen die Mitglieder des Deutschen Bundestages bei ihrer mandatsbezogenen Tätigkeit. Ihre Arbeiten geben nicht die Auffassung des Deutschen Bundestages, eines seiner Organe oder der Bundestagsverwaltung wieder. Vielmehr liegen sie in der fachlichen Verantwortung der Verfasserinnen und Verfasser sowie der Fachbereichsleitung.

Wissenschaftliche Dienste

Nr. 01/22 (17. Januar 2022) © 2022 Deutscher Bundestag



Webauftritt von stadt40

Teile jetzt diesen Artikel