Tödliche Proteste in Kasachstan

Bei den gewaltsamen Protesten in Kasachstan sind nach Behördenangaben insgesamt 225 Menschen getötet worden.

"Während des Ausnahmezustands wurden die Leichen von 225 Menschen in die Leichenhallen eingeliefert", sagte ein Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft, Serik Schalabajew, am Samstag vor Journalisten. Unter den Opfern waren demnach 19 Polizisten und Soldaten. Derweil wurden zwei Schwiegersöhne von Ex-Präsident Nursultan Nasarbajew als Chefs zweier großer Energiekonzerne abgesetzt.

Bei einigen Todesopfern habe es sich um "bewaffnete Banditen gehandelt, die an terroristischen Anschlägen beteiligt waren", sagte Schalabajew. "Leider sind auch Zivilisten Opfer von Terrorakten geworden". Die kasachischen Behörden hatten zuvor von dutzenden Todesopfern gesprochen. Eine Mitteilung, in der von mindestens 164 Toten die Rede war, wurde vom Informationsministerium später wieder zurückgezogen.

Laut Angaben einer Sprecherin des Gesundheitsministeriums wurden mehr als 2600 Menschen in den Krankenhäusern behandelt, 67 befinden sich demnach weiterhin in einem ernsten Zustand.

Derweil teilte der Staatsfonds am Samstag mit, der Schwiegersohn von Nasarbajew, Dimasch Dossanow, habe den Vorsitz des Öltransportunternehmens KasTransOil abgegeben. Kakirat Tscharipbajew, ebenfalls ein Schwiegersohn des Ex-Präsidenten, habe den Vorsitz des Gasunternehmens KasakGas, ehemals KasTransGas abgetreten. Zu den Hintergründen machte der Fonds keine näheren Angaben.

Der 58-jährige Tscharipbajew ist Medienberichten zufolge der Ehemann der ältesten Tochter des Ex-Staatschefs, Dariga Nasarbajewa. Der 40-jährige Dossanow ist demnach mit Nasarbajews jüngster Tochter Alija verheiratet. Der Ex-Präsident hat eine weitere Tochter, Dinara, deren Ehemann einer der reichsten Männer Kasachstans ist.

Die Entlassungen deuten auf Machtkämpfe infolge der gewaltsamen Proteste hin, bei denen dutzende Menschen getötet, hunderte verletzt und tausende festgenommen wurden. Auslöser der massiven Proteste in der rohstoffreichen Ex-Sowjetrepublik Anfang Januar waren gestiegene Gaspreise. Später weiteten sich die Proteste zu regierungskritischen Demonstrationen im ganzen Land aus.

Präsident Kassym-Schomart Tokajew hatte die Unruhen als "versuchten Staatsstreich" organisierter "terroristischer" Kräfte verurteilt. Für die Krise machte er auch mehrere Unternehmen, darunter KazakGas verantwortlich.

Beobachter vermuteten auch einen Machtkampf an der Spitze des Landes. Tokajew hatte 2019 das Amt von Nasarbajew übernommen, der Kasachstan drei Jahrzehnte lang autoritär regiert hatte. Die Machtübergabe schien zunächst geglückt.

Infolge der Unruhen hatte sich Tokajew jedoch mit ungewöhnlich scharfen Worten gegen seinen Vorgänger und einstigen Mentor gewandt. Er warf Nasarbajew, der nach wie vor großen Einfluss im Land haben soll, die Begünstigung einer reichen Elite vor.

Mit Geheimdienstchef Karim Massimow wurde auch ein enger Vertrauter Nasarbajews seines Amtes entlassen und unter dem Verdacht des "Hochverrats" verhaftet.

gap/bfi



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