Haltung.Macht.Sinn.

Ein Projekt zur Selbstreflexion beim Polizeipräsidium Münster

Es ist ein außergewöhnliches Projekt: Mit einer virtuellen Ausstellung setzen die Angehörigen der Polizei Münster zur Selbstreflexion an. Auch Bürgerinnen und Bürger haben über die Internetpräsenz der Polizei Münster die Möglichkeit, sich mit der Rolle und dem Selbstverständnis von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten auseinanderzusetzen. Zur Erstellung der Präsentation erhielt die Polizei externe Unterstützung: Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Design der FH Münster, der Münster School of Design (MSD), sorgten für das passende Layout und die professionelle Kommunikationsgestaltung.

Der Auslöser für die Aktion liegt ein gutes Jahr zurück. Im September 2020 waren Chatgruppen bei der Polizei Essen mit rechtsextremistischen Inhalten bekannt geworden. Gegen zahlreiche Beamtinnen und Beamte wurde ermittelt, eine komplette Dienstgruppe suspendiert. Verunsicherung und Unverständnis, auch in Münster, waren die Folge. "Wir haben uns die Frage gestellt: Sind unsere Sinne ausreichend geschärft, extremistische Tendenzen frühzeitig zu erkennen?", erläuterte Polizeipräsident Falk Schnabel die Ausgangssituation. In der Kollegenschaft entwickelte sich die Idee, eine virtuelle Ausstellung zu schaffen, die alle Beschäftigten des Polizeipräsidiums Münster zur Selbstreflexion einlädt. Ihr Titel lautet: "Haltung.Macht.Sinn.".

Großformatige Plakate im Foyer des Polizeipräsidiums, Sticker, Flyer und Postkarten auf Schreibtischen und in Aufenthaltsräumen machen auf die Kampagne aufmerksam und führen über einen QR-Code direkt zur digitalen Ausstellung, die auch im Internet für Außenstehende abrufbar ist. Unter den Schlagwörtern Haltung, Macht und Sinn hinterfragen Kolleginnen und Kollegen der Polizei Münster die eigene Einstellung. Mit welcher Haltung engagiere ich mich im Dienst, wie beschreibe ich die Sinnhaftigkeit meines Handelns und wie übe ich die von Amts wegen verliehene Macht verantwortungsvoll aus? "Wir regen mit der Ausstellung zum Nachdenken an, ohne Vorwürfe, ohne erhobenen Zeigefinger", verdeutlicht Projektleiterin Alexandra Füchter die Intention. "Ich bin überzeugt davon, dass es bei dieser Thematik besonders wichtig ist, einmal bewusst zu hinterfragen, welcher Sinn hinter unserem polizeilichen Handeln steckt, welche Haltung wir daraus entwickeln und wie wir mit staatlichen Machtbefugnissen umgehen." Das komme im täglichen Dienst oft zu kurz. "Umso wichtiger ist es, mit unserer Ausstellung die Sinne zu schärfen und den Raum für demokratische Resilienz zu schaffen", erklärt Füchter.

In allen NRW-Polizeibehörden gibt es inzwischen speziell geschulte Extremismusbeauftragte. "Jedem Anzeichen für extremistische Einstellungen in den eigenen Reihen geht die Polizei NRW unverzüglich nach - mit der notwendigen Konsequenz, aber auch mit Sensibilität", macht Falk Schnabel deutlich. Dass dies auch in Münster gelebt wird, zeigt ein aktueller Fall aus dem Polizeipräsidium, in dem vor wenigen Tagen gegen einen Angehörigen der Spezialeinheiten Münster wegen privater Chatnachrichten mit extremistischen Inhalten ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden war.

Die vielen persönlichen Beiträge in der Ausstellung zeichnen das Bild der weit überwiegenden Anzahl von Kolleginnen und Kollegen des Polizeipräsidiums Münster. "Sie haben mich besonders berührt. Es sind beeindruckende und sehr persönliche Beispiele für fest im demokratischen Rechtsstaat verwurzelte Polizeiangehörige", so der Behördenleiter. "Das Wichtigste ist, dem Extremismus in allen Formen vorzubeugen." Alltägliche Erfahrungen von Polizistinnen und Polizisten können zu einem Zerrbild in der Wahrnehmung gesellschaftlicher Entwicklungen führen. "Dem wollen wir mit einer Bewusstseinsschärfung entgegentreten", betont Schnabel.

Das Design der Ausstellung stammt von drei Studentinnen der MSD. Unter Leitung von Dozent Paul Bičište hatten sie sich mit 16 weiteren Kommilitoninnen und Kommilitonen im Sommersemester 2021 im Kurs "Aspekte der Kommunikationsgestaltung" der komplexen Aufgabe gestellt, für die virtuelle Ausstellung ein passendes Design zu finden. Im Rahmen eines Wettbewerbs erarbeiteten fünf Gruppen unterschiedliche Gestaltungsansätze, bei denen die Studentinnen und Studenten sich intensiv mit dem Berufsalltag bei der Polizei Münster auseinandersetzten. "Die Polizei als Auftraggeberin, dazu das Themenfeld Extremismusprävention wirkten auf die meisten Studierenden zunächst etwas irritierend. Ein 'schweres' Thema sollte hier nach innen kommuniziert werden, für das es so noch keine Vorbilder gab. Das offene und klare Auftreten aller Polizeiangehörigen überzeugte von Anfang an, so dass aus dieser nicht alltäglichen Projektpartnerschaft für beide Seiten viele neue Überzeugungen erwuchsen. Die Studierenden können nun anhand ihrer eigenen Leistung zeigen, dass Design Werte schöpft", resümiert Kursleiter Paul Bičište. Die Ergebnisse begeisterten das Projektteam der Polizei. Die Auswahl fiel nicht leicht, doch am Ende entschied sich das Projektteam für die Gestaltung von Carolin Blömer, Stella Schafrick und Marit Hölting (Gruppe "Scope").


Polizei Münster



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