Freude über James Webb

Die Freude ist groß nach dem erfolgreichen Start von Weltraumteleskop James Webb ins All.

Über drei Jahrzehnte nach seinem legendären Vorgänger Hubble hat das Weltraumteleskop James Webb seine 1,5 Millionen Kilometer lange Reise ins All angetreten. Eine Ariane-5-Rakete hob am Samstag um 13.20 Uhr MEZ vom Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guyana ab und setzte das leistungsstärkste Teleskop der Welt wenig später erfolgreich ab. In etwa einem Monat soll Webb sein Ziel erreichen. 

Das James-Webb-Teleskop soll die Frühzeit des Universums vor 13 Milliarden Jahren und damit nur wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall erforschen. Astronomen versprechen sich Rückschlüsse auf die Bildung der ersten Sterne und Galaxien.

Das nach einem ehemaligen Direktor der US-Raumfahrtbehörde benannte Teleskop wurde gemeinsam von der Nasa, der europäischen Weltraumorganisation ESA und der kanadischen Weltraumagentur CSA entwickelt. Auch das Max-Planck-Institut für Astronomie, die Universität Köln sowie mehrere deutsche Unternehmen beteiligten sich.

Das 1989 gestartete Projekt sollte ursprünglich Anfang der 2000er Jahre in Betrieb gehen. Immer neue Probleme verzögerten das Vorhaben jedoch jahrelang, die Kosten verdreifachten sich auf fast zehn Milliarden Dollar (8,8 Milliarden Euro). Auch der Start musste dann mehrfach verschoben werden. 

Umso größer war die Freude und Erleichterung am Samstag nach dem erfolgreichen ersten Teil der Mission. Für den Leiter der wissenschaftlichen Missionen der Nasa, Thomas Zurbuchen, war es "wirklich Weihnachten". ESA-Chef Josef Aschbacher zeigte sich vor allem "sehr glücklich", dass die Sonde so präzise in den Orbit gebracht worden sei - dies spart Treibstoff, umso besser kann Webb dann später seine Aufgaben erfüllen.

US-Präsident Joe Biden gratulierte der Nasa und dem Webb-Team zum erfolgreichen Start der Mission. Das Teleskop sei "ein leuchtendes Beispiel dafür, was wir erreichen können, wenn wir große Träume haben", erklärte er auf Twitter. 

Das neue Teleskop übertrifft seinen Vorgänger Hubble in Größe und Komplexität bei Weitem. Sein Spiegel misst sechseinhalb Meter im Durchmesser und musste gefaltet werden, um überhaupt in die Ariane-5-Rakete zu passen. 

Webb soll in einer Umlaufbahn mehr als anderthalb Millionen Kilometer von der Erde entfernt, dem sogenannten zweiten Lagrange-Punkt (L2), platziert werden. Seine Umlaufbahn wird somit viel weiter entfernt sein als die von Hubble, das sich seit 1990 in 600 Kilometern Höhe über der Erde befindet. Anders als Hubble wird sich das Webb-Teleskop nicht um die Erde drehen, sondern um die Sonne. 

Die neue Sonde blickt weiter in den Weltraum als Hubble und damit auch weiter zurück in die Vergangenheit. Während Hubble hauptsächlich das sichtbare Licht beobachtet, konzentriert sich Webb auf die Infrarot-Strahlung. 

Das Teleskop könne noch aus der Distanz des Mondes die "Wärmespur einer Hummel" erkennen, beschrieb Projekt-Mitbegründer John Mather in den Online-Netzwerken die beispiellose Empfindlichkeit der Sonde. Diese ist nötig, um das schwache Glühen zu erkennen, das vor Milliarden von Jahren von den allerersten Galaxien und den ersten Sternen ausgestrahlt wurde. Das Webb-Teleskop wird voraussichtlich im Juni offiziell in Betrieb genommen.

ans/mkü



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