Wunder gibt es immer wieder

Tatort am Sonntag, den 19. Dezember 2021 um 20:15 Uhr im Ersten

ORF/BR/Roxy Film GmbH/Hendrik Heiden

Inhalt der Tatort-Folge „Wunder gibt es immer wieder“

In einem Zug am Münchner Hauptbahnhof wird eine männliche Leiche gefunden. Bei dem Toten handelt es sich um Stefan Lechner, Wirtschaftsprüfer des Erzbistums München und Freising. Offenbar war er auf der Rückreise vom Nonnenkloster Dannerberg, wo er zuletzt zu tun hatte. In seinen Hinterlassenschaften finden die beiden Hauptkommissare Franz Leitmayr und Ivo Batic nicht nur einige idyllische Fotos der alten Klosteranlage, sondern auch ganze 10.000 Euro in bar. Warum führt gerade ein Mann der Kirche, noch dazu einer, der sich mit Finanzen auskennt, so viel Bargeld mit sich herum? Und wie ist er daran gekommen? Der Gerichtsmediziner stellt außerdem einige Prellungen und äußerliche Verletzungen an der Leiche fest, die aber wohl nicht tödlich waren.

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Die beiden süddeutschen Tatort-Ermittler machen sich also auf den Weg zum Kloster Dannerberg, um die Nonnen zu befragen. Schließlich war dies der letzte Aufenthaltsort von Stefan Lechner. Die Klosteranlage liegt idyllisch im Voralpenland, fernab aller großstädtischen Hektik. Aber natürlich trügt der Schein der heilen und frommen Klosterwelt, das stellen die Kommissare im Tatort „Wunder gibt es immer wieder“ sehr schnell fest. Vor Ort angekommen, werden sie von den Ordensschwestern zunächst auf Italienisch begrüßt, weil diese sie für zwei Gesandte des Vatikans halten, die sie eigentlich an diesem Tag erwarten. Mit den beiden etwas mürrischen Kriminalbeamten aus München, die dazu noch in einer Mordsache ermitteln, haben die frommen Damen nicht gerechnet.

Schwester Barbara, als Priorin die „Chefin“ des Klosters, heißt Batic und Leitmayr dennoch herzlich willkommen und versichert ihnen, dass Stefan Lechner nur zur Erholung und inneren Einkehr in Dannerberg gewesen sei. Flugs wird auch Friedrich Neubauer, der Hausmeister der Klosteranlage, herbeizitiert. Er hat Lechner bei seiner Abreise zum Bahnhof gefahren und hat das Opfer somit als Letzter lebend gesehen. Ihm sei jedoch nichts Ungewöhnliches an ihm aufgefallen, auch einen Streit mit Lechner habe es nicht gegeben. Vielleicht hat Lechner als Wirtschaftsprüfer aber Unregelmäßigkeiten in den Finanzen des Klosters festgestellt? Dazu kann Schwester Barbara nichts sagen, denn für die Buchhaltung ist Schwester Angela zuständig. Sie versichert den Kommissaren, dass alles seine Ordnung habe. Lechner sei einmal jährlich zur Überprüfung der Finanzen im Kloster gewesen, habe aber nie Auffälligkeiten festgestellt. Ansonsten habe sie sich mit ihm gern über Aktien unterhalten, denn das sei ihr Hobby, über das sie sich mit ihren Mitschwestern aber nicht austauschen könne, weil die sich nicht dafür interessierten.

Mittlerweile herrscht im BR-Tatort „Wunder gibt es immer wieder“ Gewissheit über die Todesursache: Stefan Lechner wurde mit dem Schierling vergiftet, einer der giftigsten Pflanzen überhaupt. Zufällig wächst dieses tödliche Kraut auch im Klostergarten. Und Lechner muss das Gift schon mehrere Stunden vor seinem Tod zu sich genommen haben, denn die Wirkung trat zeitverzögert ein. Damit steht auch fest, dass er während seines Aufenthalts im Kloster vergiftet worden sein muss. Grund genug für Leitmayr und Batic, ihren Besuch bei den Nonnen noch etwas zu verlängern. Sie beziehen zwei karge Kammern für die Nacht und machen sich mit den Gewohnheiten des Klosterlebens vertraut, mit denen die beiden Großstadt-Polizisten jedoch sichtbar fremdeln: Handyempfang gibt es nur außerhalb der dicken Klostermauern, das Abendessen wird pünktlich um 18 Uhr schweigend eingenommen, dafür mit Tischgebet, und Ivo Batic plagen schlimme Albträume, nachdem er Schwester Julias speziellen „Mönchsbeutel-Tee“ als Schlummertrunk zu sich genommen hat – Kollege Leitmayr bevorzugt aus gutem Grund den hochprozentigen Schnaps.

Je länger die beiden Kommissare an diesem spirituellen Ort verweilen, desto mehr Merkwürdigkeiten entdecken sie: Die beiden Vatikan-Gesandten sind mittlerweile eingetroffen, geben aber nicht zu erkennen, was sie eigentlich ins beschauliche Voralpenland geführt hat, sprechen immer nur von „internen Angelegenheiten der Kirche“. Aber auch die anderen Bewohner des Klosters scheinen ihre Geheimnisse zu haben, die sie nur ungern preisgeben: Schwester Antonia ist als Novizin die jüngste der Ordensdamen und lebt erst seit zwei Jahren in der Klostergemeinschaft. Dummerweise ist Sandro, der Hilfsarbeiter von Hausmeister Neubauer, unsterblich in sie verliebt. Deshalb soll er für seine Ausbildung nach Augsburg „abgeschoben“ werden, damit die klösterliche Ruhe und Ordnung nicht länger gestört werden. Und auch Neubauer selbst hat etwas zu verbergen: Batic und Leitmayr finden heraus, dass es einen heftigen Streit zwischen ihm und Lechner am Bahnhof gegeben hat, in dessen Verlauf der Hausmeister wohl auch handgreiflich geworden ist. Mit dem Grund für den Streit will Neubauer partout nicht rausrücken. Außerdem war er es, der Lechner die 10.000 Euro zugesteckt hat. Wie er als Hausmeister mit bescheidenem Gehalt wohl an so viel Geld gekommen ist?

Immer offensichtlicher wird für die beiden Ermittler in diesem TV-Krimi, dass die klösterliche Idylle mehr Fassade als Realität ist, hinter der sich schwere Schicksale, aber auch handfeste materielle Interessen verbergen, zumal die Existenz des gesamten Klosters auf dem Spiel steht. Und dennoch müssen die Kommissare feststellen, dass sie mit polizeilicher Logik und kriminalistischer Neugier am Ende doch nicht alles erklären können, denn Wunder gibt es schließlich immer wieder – zumindest für die, die dran glauben.

Infos zur Tatort-Produktion

Der Tatort „Wunder gibt es immer wieder“ wurde vom 29. Juni bis zum 28. Juli 2021 zum Teil in München, vor allem aber im Kloster Reisach im oberbayerischen Oberaudorf gedreht. Bis vor zwei Jahren lebten dort noch Mönche, seitdem steht die Anlage leer. Die Produzentin Annie Brunner sagt zu dem außergewöhnlichen Drehort: „Es atmet eine besondere Atmosphäre und man spürt noch den Geist der Ordensleute, die dort bis vor Kurzem lebten. […] Auch für das Ensemble war das belebte klösterliche Umfeld wichtig und sehr inspirierend.“ Die Schauspieler*innen haben sich im Vorfeld des Drehs intensiv mit dem Leben in einer Ordensgemeinschaft beschäftigt und dazu auch mit Schwestern verschiedener Orden gesprochen. Das „Klostersterben“ ist ein zunehmendes Problem in den ländlichen Regionen Bayerns, weil der Nachwuchs fehlt.


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