Dürr löst Lindner ab

Einen Tag vor der Regierungsübernahme der Ampel-Koalition hat die FDP-Bundestagsfraktion den niedersächsischen Abgeordneten Christian Dürr zu ihrem Vorsitzenden gewählt.

Der 44-Jährige löste damit am Dienstag den bisherigen Fraktionschef Christian Lindner ab, der am Mittwoch zum Bundesfinanzminister ernannt werden soll. Dürr erhielt 94,44 Prozent der Stimmen. Er war von Lindner vorgeschlagen worden.

Dürr kündigte nach seiner Wahl an, sich künftig eng mit den Koalitionsfraktionen von SPD und Grünen abzustimmen. Er wünsche sich "Teamplay auch zwischen den Regierungsfraktionen im Deutschen Bundestag", sagte er. "Die Menschen sind nichts mehr leid als diese Streitereien der Großen Koalition. Das wollen wir besser machen."

Der bisherige Fraktionschef Lindner sagte, Dürr werde dafür sorgen, dass sich die künftige Regierung "auf eine geschlossene Fraktion stützen" könne und dass "andererseits die FDP-Bundestagsfraktion als eigenständiger Faktor dieser Koalition im Parlament erkennbar sein" werde. 

Zum neuen Parlamentsgeschäftsführer wurde der 39-jährige Vize-FDP-Chef Johannes Vogel mit 93,26 Prozent der Stimmen gewählt. Die Neubesetzung der Fraktionsspitze war nötig geworden, weil Lindner ins Amt des Bundesfinanzministers wechselt und der bisherige Parlamentsgeschäftsführer Marco Buschmann Bundesjustizminister wird.

Dürr war 2017 für den Wahlkreis Delmenhorst-Oldenburg-Land in den Bundestag eingezogen und übernahm dort sogleich den Posten eines stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Zuvor war er Fraktionschef der FDP im niedersächsischen Landtag. Der studierte Diplom-Ökonom gilt als profilierter Finanz- und Haushaltsexperte. In den Verhandlungen mit SPD und Grünen über die Bildung einer Ampel-Koalition war Dürr für die FDP Verhandlungsführer der Arbeitsgruppe Finanzen.

Nach dem Willen von FDP-Chef Lindner soll die Bundestagsfraktion künftig eine besonders herausgehobene Rolle bei der inhaltlichen Profilierung der Liberalen spielen. Er selbst und die drei weiteren FDP-Ministerinnen und -Minister würden als Regierungsmitglieder "nicht diejenigen sein, die ganz vorne das Profil der FDP schärfen können", hatte Linder am Sonntag auf dem FDP-Parteitag gesagt. Die Partei müsse sich deshalb breiter aufstellen und ihre "Vielfalt an Persönlichkeiten" zeigen.

Dürr genießt in der Fraktion großes Ansehen, er gilt als Vertrauter von Lindner. Vizefraktionschef Alexander Graf Lambsdorff sagte der Nachrichtenagentur AFP, er sei überzeugt, dass Dürr eine "kongeniale Ergänzung zu Christian Lindner als Finanzminister in der Fraktion sein" werde. Der Fraktion komme eine Schlüsselrolle zu: "Entscheidend wird sein, dass Fraktion, Partei und Regierung einerseits ein geschlossenes Bild abgeben, andererseits aber auch ständig neue Ideen entwickeln, wie Deutschland als Land wieder vorankommen kann."

Der neue Parlamentsgeschäftsführer Vogel war erst im Frühjahr dieses Jahres zu einem der drei Bundesvizes der FDP gewählt worden. Bislang war er der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion. Gemeinsam mit Dürr hatte er das Konzept für ein Aktien-Sparen als Teil der gesetzlichen Rente entworfen, das die Ampel-Parteien als eines ihrer Ziele in den Koalitionsvertrag aufnahmen.

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