Auszeichnung chemischer Masterarbeiten

Herausragende Abschlussarbeiten am Fachbereich Chemie und Pharmazie der Universität Münster wurden geehrt.

Der Fachbereich Chemie und Pharmazie der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster hat sechs Absolventinnen und Absolventen für ihre herausragenden Abschlussarbeiten in den Studiengängen Chemie, Lebensmittelchemie und Wirtschaftschemie (jeweils Master of Science, MSc) ausgezeichnet. Der Fachbereich prämierte die Arbeiten von Catharina Erbacher und Marco Pierau für den Studiengang Chemie, von Kathrin Kirchhoff und Maria Nero für den Studiengang Wirtschaftschemie sowie von Fabian Weever und Sophie Pauline Vogel für den Studiengang Lebensmittelchemie. Die Vertreter der stiftenden Unternehmen Grosse-Hornke Private Consult (Münster), Wessling (Altenberge) und Thescon (Coesfeld) überreichten die Urkunden zu den mit 1.000 Euro dotierten Auszeichnungen im Rahmen der Masterfeier für die Abschlussjahre 2020 und 2021.


Zu den Preisträgern und ihren Arbeiten:


Catharina Erbacher (Chemie, 2020) entwickelte neue Analysemethoden zur Messung der elektrischen Leitfähigkeit von DNA-Molekülen. Durch den Einbau spezieller Sensor-Moleküle des Nukleosids „5-Brom-2‘-desoxyuridin“ in modifizierte DNA-Stränge kann deren Leitfähigkeit untersucht werden. Je besser die elektrische Leitfähigkeit, desto mehr dieser Moleküle setzen Bromid frei. Im Rahmen der Arbeit wurde nun ein automatisiertes Trennungs- und Analyseverfahren der intakten Sensor-Moleküle und des freigesetzten Bromids entwickelt. Dieses ermöglicht durch eine besonders effiziente Trennmethode die Messung einer großen Probenanzahl. Zusätzlich kann die Methode deutlich geringere Mengen nachweisen als bisher bekannte Verfahren.


Marco Pierau (Chemie, 2021) erarbeitete eine neue katalytische Synthesemethode für die Hydrierung von Heterocyclen, also von ringförmigen Molekülen, in deren Ringstruktur außer Kohlenstoff noch weitere Atome eingebaut sind. Ihm gelang es dabei, fünf Reaktionsschritte zu einem zusammenzufassen und so die Synthese deutlich effizienter und ressourcenschonender zu gestalten.


Kathrin Kirchhoff (Wirtschaftschemie, 2020) beschäftigte sich mit der Untersuchung der Ausscheidungsprodukte einzelner Zellen. Diese ist besonders im Bereich der Onkologie für die Entwicklung besserer Therapiemöglichkeiten zunehmend von Interesse. Basierend auf einer von Evorion Biotechnologies GmbH entwickelten Plattform zur Immobilisierung, Kultivierung und Analyse einzelner Zellen erforschte Kathrin Kirchhoff in ihrer Arbeit Biosensoren für den Nachweis der aus einzelnen Zellen ausgeschiedenen Moleküle. Zusätzlich erarbeitete sie anhand einer von ihr durchgeführten strategischen Analyse der Wettbewerbssituation eine Marktstrategie für das Unternehmen.


Maria Nero (Wirtschaftschemie, 2021) untersuchte die Einflussfaktoren der geografischen Lage von Start-Up-Unternehmen im Bereich der additiven Fertigung, also der Herstellung einzelner Komponenten mittels 3D-Druck und ähnlichen Verfahren. Dabei ermittelte sie zunächst fünf relevante Eigenschaften der verschiedenen internationalen Standorte. Die auf dieser Basis erfolgte Analyse legt nahe, dass Kosten, Englischkenntnisse, Risikobereitschaft und Kapitalverfügbarkeit signifikant positive Einflüsse auf Startup-Finanzierungsrunden und -bewertungen haben.


Fabian Weever (Lebensmittelchemie, 2020) untersuchte die Wirkung von sekundären Pflanzenstoffen aus der Aroniabeere  auf die Aktivität sogenannter Topoisomerasen. Zum Hintergrund: Die DNA liegt im Zellkern stark verdrillt in Form einer Doppelhelix vor. Damit der DNA-Code „gelesen“ werden kann, muss diese Verdrillung zunächst durch die Enzymklasse der Topoisomerasen aufgehoben werden. Topoisomerase-Hemmstoffe finden als Chemotherapeutika in der Krebsmedizin seit vielen Jahren Anwendung. In seinen Untersuchungen optimierte Fabian Weever eine Methode zur Detektion von DNA-Topoisomerase-Komplexen.


Sophie Pauline Vogel (Lebensmittelchemie, 2021) entwickelte eine neue miniaturisierte Kulturmethode für die Untersuchung von sogenannten Sekundärmetaboliten in Pilzkulturen. Sekundärmetabolite von Schimmelpilzen sind einerseits von großer Bedeutung in der Medizin. Ein Beispiel ist das Antibiotikum Penicillin. Andererseits können von Schimmelpilzen produzierte Giftstoffe in Lebens- und Futtermitteln gesundheitliche Probleme verursachen. Die von Sophie Vogel entwickelte miniaturisierte Methode in Kombination mit instrumentellen Analysetechniken ermöglicht eine im Vergleich zu klassischen Methoden deutlich kostengünstigere und effizientere Untersuchung auch größerer Mengen von Pilzkulturen. Das Verfahren ist auch geeignet, um einen Pilzbefall von Lebensmitteln oder Lebensmittel-Kontaktmaterialien zu simulieren um herauszufinden, inwiefern diese für Schimmelpilzbefall anfällig sind. Es wird zukünftig als Routinemethode Anwendung finden.


©Universität Münster

Foto: pixabay


Teile jetzt diesen Artikel


Lade jetzt kostenlos die App herunter