Olympische Winterspiele in China

RSF fordert ausländische Medienvertreter auf, sich vor Überwachung zu schützen.

Vom 4. bis 20. Februar 2022 werden in China die 24. Olympischen Winterspiele ausgetragen – und obwohl der Zugang zu den Vorab-Veranstaltungen für ausländische Journalistinnen und Journalisten in den vergangenen Monaten insbesondere aufgrund der Corona-Pandemie stark eingeschränkt war, wird die weltweite Presse und insbesondere die Sportpresse ausführlich über das Ereignis berichten. Aus diesem Anlass rät RSF Journalisten, die nach China reisen, keine Anwendungen herunterzuladen, die es den chinesischen Behörden ermöglichen könnten, sie zu überwachen. RSF empfiehlt zudem, dass Medien, Verlage und soziale Netzwerke jegliche redaktionelle Einmischung und jeglichen Druck seitens des chinesischen Regimes öffentlich machen, diese anprangern und weiter kritisch über Pekings Angriffe auf die Pressefreiheit berichten. 

„Man darf nicht vergessen: Die Olympischen Spiele in Peking 2022 ist ein hochpolitisches Sportevent in einer kommunistischen Diktatur. Olympia bietet Präsident Xi Jinping eine wunderbare Gelegenheit, sein Image aufzupolieren und zu versuchen, über seine katastrophale Menschenrechtsbilanz hinwegzutäuschen – auch und gerade in Bezug auf die Presse- und Informationsfreiheit“, sagte RSF-Geschäftsführer Christian Mihr. „Es ist legitim, dass die Medien über dieses internationale Großereignis berichten, aber sie müssen sich vor den Manipulationsversuchen des Regimes in Acht nehmen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Überwachung und möglichem Druck schützen. Auch der Deutsche Olympische Sportbund ist gefordert: Er muss öffentlich und deutlich die Einhaltung von Pressefreiheit und Menschenrechten einfordern.“ 


Reporter ohne Grenzen hatte sich am 9. November mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) getroffen und beide Verbände über die Lage der Pressefreiheit in Peking informiert. RSF sieht beide Verbände in der Pflicht, sich für freie Berichterstattung durch in- wie ausländische Journalistinnen und Journalisten stark zu machen. 


In China sitzen mindestens 127 Medienschaffende im Gefängnis – mehr als in jedem anderen Land der Welt. Das Land steht auf der Rangliste der Pressefreiheit 2021 auf Platz 177 von 180, nur zwei Plätze vor Nordkorea, einem Land, in dem Journalismus gleichbedeutend mit Staatspropaganda ist. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2013 hat Präsident Xi Jinping die Lage der Pressefreiheit auf den Stand der maoistischen Ära zurückversetzt: Der freie Zugang zu Informationen gilt in China seither nicht mehr als Recht, sondern als Verbrechen.  


Besondere Sorgen bereitete der Sportwelt zuletzt das Schicksal der chinesischen Profi-Tennisspielerin Peng Shuai die offenbar unter Hausarrest gestellt wurde, nachdem sie am 2. November 2021 in dem sozialen Netzwerk Sina Weibo einen ehemaligen Vizeministerpräsidenten der Vergewaltigung beschuldigt hatte. Das chinesische Regime reagierte auf diese Vorwürfe mit einer umfassenden Zensurkampagne.   


©RSF

Bild: pixabay


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