Großeltern in der Pandemie gefordert

Großeltern leisten auch in der Pandemie einen beachtlichen Beitrag zur Kinderbetreuung.

Bevor Impfungen gegen Covid-19 für Risikogruppen in breitem Umfang angeboten und wahrgenommen werden konnten, standen insbesondere ältere Menschen im Fokus des Infektionsschutzes. Aufgrund des höheren Risikos eines schweren Krankheitsverlaufs wurde z. B. von Kontakten zwischen Enkelkindern und Großeltern abgeraten. Gleichzeitig benötigten Familien aufgrund geschlossener Schulen und Kitas besonders viel Unterstützung. Wie haben sich der Anteil der Großeltern, die ihre Enkelkinder betreuen, und der zeitliche Umfang der Betreuung während der Pandemie verändert? 

Das überraschende Ergebnis: Während der Pandemie blieb die Enkelkinderbetreuung weitgehend stabil. Verglichen wurde zwischen dem Jahr 2017 und dem Winter 2020/21. Während 2017 39 Prozent der Großeltern ihre Enkelkinder regelmäßig betreuten, waren es im Winter 2020/21 34 Prozent. Der Rückgang in der Betreuungsquote ist allerdings nicht statistisch signifikant. 

Stabil geblieben ist auch der zeitliche Umfang, den Großeltern in die Enkelbetreuung steckten. Er betrug im Winter 2020/21 rund 9 Stunden pro Woche - ein gesellschaftlicher Beitrag, der nicht hoch genug geschätzt werden kann, gerade in einem Zeitraum, in dem Kinderbetreuung durch Kindergärten und Schulen oft nicht geleistet werden konnte und viele berufstätige Eltern dringend auf die großelterliche Hilfe angewiesen waren. Auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet handelt es sich um fast 2 Milliarden Stunden im Jahr 2020. Legt man für jede geleistete Betreuungsstunde den aktuellen Mindestlohn von 9,35 Euro zugrunde, lässt sich ein wirtschaftlicher Wert von rund 16 bis 18 Mrd. Euro schätzen. Das entspricht etwa 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts von 2020. 

Mareike Bünning, Erstautorin der Studie, betont: "Viele Großeltern betreuen in der Pandemie weiterhin ihre Enkel. Ältere Menschen sind also nicht nur eine schutzbedürftige Risikogruppe, sondern leisten auch einen aktiven Beitrag zur Krisenbewältigung." Der Leiter des DZA, Clemens Tesch-Römer, ergänzt: "Wir waren erstaunt, dass so viele Großeltern weiterhin Zeit mit ihren Enkeln verbracht und zuverlässig Betreuungsaufgaben übernommen haben, trotz der Risiken, die die Pandemie mit sich gebracht hat". 

Nur bei einigen Gruppen gab es Veränderungen: So ist bei den 60- bis 69-Jährigen ein leichter und statistisch bedeutsamer Rückgang zu verzeichnen. Auch Vorerkrankungen scheinen Großeltern kaum veranlasst zu haben, sich nicht mehr um ihre Enkelinnen und Enkel zu kümmern: Bei fünf von sechs untersuchten Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf zeigte sich, dass betroffene Großeltern ihre Enkelkinder im Winter 2020/21 zu ähnlichen Anteilen betreuten wie 2017. Allerdings konnten sich Großeltern, die weiter entfernt leben, während der Pandemie seltener um ihre Enkel kümmern (2020/21: 21 Prozent, 2017: 28 Prozent). 

Untersucht wurden Großeltern im Alter von 46 bis 90 Jahren mit mindestens einem Enkelkind unter 14 Jahren. Die detaillierten Ergebnisse sind nachzulesen in: Bünning, M., Ehrlich, U., Behagel, F. & Huxhold, O. (2021). Enkelbetreuung während der Corona-Pandemie [DZA Aktuell 07/2021]. Berlin: Deutsches Zentrum für Altersfragen. 

Der Deutsche Alterssurvey (DEAS) ist eine repräsentative Quer- und Längsschnittbefragung von Personen in der zweiten Lebenshälfte. Im Rahmen der Studie werden seit mehr als zwei Jahrzehnten Menschen auf ihrem Weg ins höhere und hohe Alter regelmäßig befragt. An der Befragung im Zeitraum 04. November 2020 bis 1. März 2021 haben 5.402 Personen im Alter ab 46 Jahren teilgenommen. Der Deutsche Alterssurvey wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

© DZA 

Bild: pixabay 



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