Mangelnde Transparenz bei Facebook

Facebook-Aufsichtsgremium wirft Internetkonzern mangelnde Transparenz vor.

Das Aufsichtsgremium von Facebook hat dem Internetkonzern mangelnde Transparenz vorgeworfen und eine umfassende Überprüfung einer möglichen Bevorzugung prominenter Nutzer angekündigt. Facebook sei mit Blick auf dieses interne System zum Umgang mit bekannten Nutzern nicht "vollkommen entgegenkommend" gewesen, erklärte das Aufsichtsgremium am Donnerstag. "In manchen Fällen hat Facebook dem Gremium relevante Informationen nicht zur Verfügung gestellt, und in anderen Fällen waren die Informationen nicht vollständig."

Das "Wall Street Journal" hatte im September unter Berufung auf interne Facebook-Unterlagen berichtet, die Online-Plattform nehme Millionen bekannter Nutzer wie Politiker, Promis oder Journalisten von seinen Regeln aus. Bezeichnet werde das System als "Cross-Check" oder "XCheck", auf Deutsch etwa Gegenprobe. Das widerspreche der Darstellung Facebooks, alle Nutzer gleich zu behandeln.

Als Beispiel nannte das "Wall Street Journal", dem die Whistleblowerin Frances Haugen interne Dokumente zugespielt hatte, den Fall des brasilianischen Fußballstars Neymar. Dieser habe 2019 Nacktfotos einer Frau veröffentlichen können, die ihm eine Vergewaltigung vorwarf, bevor Facebook die Bilder mit Verspätung gelöscht habe.

Das Facebook-Aufsichtsgremium (Oversight Board) erklärte am Donnerstag, auch im Fall des von Facebook gesperrten früheren US-Präsidenten Donald Trump habe der Konzern des Cross-Check-System nicht erwähnt. Dabei gehe das Gremium davon aus, dass Entscheidungen zu Trumps Nutzerkonto ebenfalls über dieses System gehandhabt worden seien. Das Gremium hatte im Mai die Entscheidung der Online-Plattform gebilligt, Trump nach der Kapitol-Erstürmung vom 6. Januar von Facebook zu verbannen.

Das Aufsichtsgremium, das manchmal auch als "Oberster Gerichtshof" bei Facebook bezeichnet wird, wird nun auf Anfrage Facebooks hin das Cross-Check-System unter die Lupe nehmen und Empfehlungen für Veränderungen vorlegen. Das Oversight Board überprüft Entscheidungen der Online-Plattform etwa bei der Löschung von Inhalten oder der Sperrung von Nutzern. Ihm gehören Juristen, Bürgerrechtsexperten und Journalisten an. Facebook bezeichnet die Entscheidungen des Gremiums als für sich bindend.

Der Internetriese ist zuletzt verstärkt unter Druck geraten - insbesondere durch die Enthüllungen im Zusammenhang mit Whistleblowerin Haugen. Die frühere Facebook-Produktmanagerin wirft ihrem Ex-Arbeitgeber vor, eigene Gewinne über die Sicherheit von Menschen zu stellen und dabei verheerende Folgen für Menschen, Demokratie und Gesellschaft in Kauf zu nehmen. 

So setze Facebook auf der Suche nach Profiten bewusst Algorithmen ein, die spalterische und schädliche Inhalte fördern, weil diese zu mehr Interaktion führen würden. Demnach kam Facebook zudem bei seinen eigenen Untersuchungen selbst zu dem Schluss, dass insbesondere die Fotoplattform Instagram der psychischen Gesundheit von Jugendlichen schaden und beispielsweise die Gefahr von Essstörungen erhöhen könne.

Facebook hat die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Die Enthüllungen haben aber die Rufe nach einer strengeren Regulierungen von Facebook und Internetkonzernen insgesamt verstärkt.

fs/ilo



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