Das „Referendar-Fräulein"

Das „Referendar-Fräulein" ist lange Vergangenheit - 75 Jahre Niedersachsen, 75 Jahre Justizgeschichte

Die Zeitreise durch 75 Jahre Justizgeschichte hat Justizministerin Barbara Havliza am Dienstag nach Celle in das Landesjustizprüfungsamt geführt. Vor Jahrzehnten noch wurden weibliche Referendare als „Referendar-Fräulein" bezeichnet. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Doch was hat sich in der Juristinnenausbildung in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Was ist noch zu tun? Darüber diskutierte Ministerin Havliza mit mehreren Gästen im Prüfungsamt.

Sofern Sie den Livestream verpasst haben, so können Sie ihn hier abrufen.

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Die Diskussion begann mit einem Impulsvortrag von der Wissenschaftlerin Ulrike Schultz, die lange Jahre an der Fernuniversität Hagen zu „Gender Studies" geforscht und sich auf Geschlechterfragen in juristischen Berufen spezialisiert hat. Sie gab einen prägnanten Überblick über die Entwicklungen seit den 70er Jahren, nicht nur in der Justiz, sondern auch in der Anwaltschaft und in der Rechtswissenschaft an den Universitäten. Sie berichtete über einen starken Anstieg von Frauen in der Justiz und von Fortschritten in vielen Bereichen, auch weil Frauen heute viel sensibler seien, Diskriminierungen zu erkennen und zu kritisieren. Zugleich gebe es aber noch Nachholbedarf bei der Berücksichtigung von Frauen in bestimmten Beförderungsämtern. Der Vortrag beginnt im Livestream ab Minute 14:20.

In der sich anschließenden Diskussionsrunde (im Livestream ab Minute 39:50) erzählten die Teilnehmerinnen von ihren unterschiedlichen Erfahrungen als Frauen in der Justiz. Ministerin Havliza berichtete, dass ihre Karriere nur habe starten können, weil sie bei der Kindererziehung klare Absprachen mit ihrem Mann getroffen habe. Die frühere Richterin (und Referendarin in den 70er Jahren) Stefanie Schindhelm stellte fest, dass die Justiz für Frauen ein guter Arbeitgeber sei. In ihrer Anfangszeit sei es jedoch schwierig gewesen, die sog. Erprobung absolvieren zu können, um in der Justiz aufzusteigen; das habe sich inzwischen gebessert. Die aktuelle Referendarin Elisa Walter konnte über manche Anekdoten nur mit dem Kopf schütteln und unterstrich die heutige Selbstverständlichkeit der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in der Juristenausbildung. Und die Gleichstellungsbeauftragte des Justizministerin, die Richterin am Amtsgericht Kathrin Wessels, berichtete über die vielen Verbesserungen der vergangenen Jahre, zum Beispiel über den Anstieg des Frauenanteils in Prüfungskommissionen sowie über das Mentoring-Programm für Frauen in der Justiz.

Ebenso wie Justizministerin Havliza betonte Wessels jedoch, wie wichtig es sei, Frauen zu fördern und immer wieder zu ermutigen, sich für Beförderungsämter zu bewerben. In dieser Hinsicht sei das Selbstbewusstsein der Männer oft unerschütterlich, Kolleginnen benötigten hier oft den entscheidenden „Anstoß", um sich ebenfalls zu bewerben. Ministerin Havliza: „Männer haben sich oft etwas antrainiert, dass ich scherzhaft „Kompetenz-Simulation" nenne. Da müssen wir Frauen mit unserem Können gegenhalten!"


Herausgeber: Nds. Justizministerium





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