5. IHK-Forum Nachfolge am 6. Oktober

Über 20.000 Betriebe suchen einen Nachfolger

Rund 20.000 Familienunternehmen im Münsterland und der Emscher-Lippe-Region haben Schätzungen der IHK Nord Westfalen Probleme, einen Nachfolger für den Chefsessel zu finden. „Immer weniger Kinder möchten in die Fußstapfen der Eltern treten und Unternehmer werden”, berichtete Sven Wolf, Geschäftsbereichsleiter Unternehmensförderung und Weiterbildung, beim 5. IHK-Forum Nachfolge gestern (6. Oktober) aus der Beratungspraxis.  


Dabei sei es im Interesse der Gesamtwirtschaft, dass gesunde Familienunternehmen erhalten bleiben, erläuterte IHK-Experte Wolf. „Allein die Unternehmen, die voraussichtlich bis 2028 in Nord-Westfalen an die nächste Generation übergeben werden, bieten rund 200.000 Arbeitsplätze.“ Beim 5. IHK-Forum Unternehmensnachfolge drehte sich daher alles um die externe Nachfolge, also um die Frage, wie zum Beispiel erfahrene Mitarbeiter oder Interessenten von außerhalb für den Chefsessel gewonnen werden können.

 

Warum es für die Suche nach dem geeigneten Unternehmensnachfolger wichtig ist, aussagefähige Unterlagen vorzubereiten und sein Unternehmen vorab kritisch unter die Lupe zu nehmen, erläuterte Bärbel Schnee-Gronauer. Sie ist seit über zehn Jahren Expertin für den Verkauf von Unternehmen. „Zu Beginn eines Verkaufsprozesses klare Verhältnisse im Unternehmen zu schaffen, sorgt für einen gut strukturierten und erfolgreichen Transaktionsprozess“, unterstrich Schnee-Gronauer.

 

Die Sicht derjenigen, die ein inhabergeführtes Unternehmen übernehmen, erläuterte Heike Lewedag, die über den IHK-Nachfolger-Club ihr Unternehmen fand. In einem vertraulichen Gespräch in der IHK hatte sie den Altinhaber Kock kennengelernt. „Es hat gefühlt keine zwei Stunden gedauert, bis mein Entschluss stand“, erinnerte sich Lewedag. Seit 2017 ist Lewedag alleinige Inhaberin der Kock GmbH in Lengerich. Dabei war ihr die Branche – die Kock GmbH produziert Aluminiumhaustüren – noch fremd. „Ich habe jetzt erst das Gefühl, dass ich sowohl die Branche begriffen habe und die Produktionstechnik im Detail. Das war ein harter Weg.“ Sie hat ihn aber so gut bewältigt, dass sie 2019 für die Nachfolgeregelung vom Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) als „externe Unternehmensnachfolgerin des Jahres“ ausgezeichnet wurde.

 

Ein zweites Fallbeispiel steuerte Markus Robert Gödecke bei, seit 2018 Inhaber des Beckumer Palettenherstellers Klaus Berlinghoff GmbH. Vor seiner Übernahme hatte Gödecke zwei Jahre intensiv gesucht und war dabei mit mehreren Unternehmen aus der Holzbranche in Verhandlungen. Den Altinhabern schrieb er ins Stammbuch: „Bitte kümmern Sie sich um eine realistische Unternehmensbewertung. Am Ende muss der Kaufpreis vom Unternehmensgewinn bezahlt werden.“

 

„Aufgrund der Corona-Pandemie haben viele Unternehmer ihre Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin zurückgestellt”, stellte IHK-Experte Sven Wolf fest. „Dabei sollten die Unternehmen lieber keine Zeit verlieren, denn „der Nachfolgeprozess kann viele Jahre dauern, bis alles in trockenen Tüchern ist“. Vielen Inhabern und potenziellen Nachfolgern werde erst so richtig bewusst, wie komplex der Generationenwechsel ist, wenn sie sich aktiv damit auseinandersetzten.

 

IHK-Serviceangebot Unternehmensnachfolge

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen unterstützt Nachfolgeprozesse in Unternehmen seit vielen Jahren mit frühzeitiger Information über eine fachkundige Einzelberatung bis hin zur vertraulichen Vermittlung von potenziellen Nachfolgern durch den IHK-Nachfolger-Club. Ziel der IHK ist es, den Unternehmensbestand der Region und damit die Arbeitsplätze so weit wie möglich zu erhalten.

www.ihk-nw.de/nachfolge

 

Foto/Bildzeile: Wie Unternehmer außerhalb der eigenen Familie einen Nachfolger für den Chefsessel finden können, diskutierten beim 5. IHK-Forum Nachfolge (v.r.):  Heike Lewedag, Kock GmbH, Unternehmensberaterin Bärbel Schnee-Gronauer, IHK-Geschäftsbereichsleiter Sven Wolf, Markus Robert Gödecke (Klaus Berlinghoff GmbH), IHK-Vizepräsidentin Melanie Baum und Moderatorin Jeanette Kuhn.

Foto: IHK/Grundmann

   

Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen



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