Physik-Nobelpreis für Hasselmann

Der Physik-Nobelpreis geht an den deutschen Klimaforscher Hasselmann und zwei weitere Wissenschaftler.

Zu den diesjährigen Trägern des Physik-Nobelpreises zählt erneut ein Deutscher: Für Forschungen zur Vorhersage des Klimawandels wurde der Hamburger Physiker Klaus Hasselmann am Dienstag zusammen mit seinem US-japanischen Kollegen Syukuro Manabe ausgezeichnet. Die andere Hälfte des Preises sprach die Schwedische Akademie der Wissenschaften dem Italiener Giorgio Parisi für seine Forschung über komplexe physikalische Systeme zu. Vergangenes Jahr hatte der deutsche Astrophysiker Reinhard Genzel zu den Preisträgern gezählt.

Hasselmann und Manabe wurden für ihre physikalischen Modelle für eine "zuverlässige Vorhersage der Erderwärmung" geehrt, wie die Akademie der Wissenschaften in Stockholm erläuterte. Die beiden Wissenschaftler hätten mit ihren physikalischen Modellierungen des Erdklimas "zuverlässige" Vorhersagemöglichkeiten geschaffen und damit zum Verständnis beigetragen, wie das Erdklima funktioniert und wie der Mensch es beeinflusst. 

Die andere Hälfte des Preises geht an Parisi für die Entdeckung, wie das "Zusammenspiel von Unordnung und Fluktuationen physikalische Systeme von der atomaren bis hin zu planetaren Ebene bestimmt". Die Akademie sprach in ihrer weiteren Begründung von "revolutionären" Erkenntnissen des 73-jährigen Professors der Sapienza-Universität in Rom. Parisi bekommt eine Hälfte des Preisgelds in Höhe von insgesamt zehn Millionen Kronen (rund 985.000 Euro), Hasselmann und Manabe teilen sich die andere Hälfte.

Hasselmann, der am 25. Oktober 90 Jahre alt wird, hatte früher das Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg geleitet, das Klimaprozesse erforscht. Auf Grundlage seiner Forschung, die zuverlässige Klimamodelle trotz einer mitunter chaotischen Variabilität von Wetterphänomenen ermöglicht, warnte er früh vor den gefährlichen Folgen eines menschengemachten Klimawandels. 

"In 30 bis 100 Jahren, je nachdem, wieviel fossiles Brennmaterial wir verbrauchen, wird auf uns eine ganz erhebliche Klimaänderung zukommen", sagte Hasselmann 1988 in einem Zeitungsinterview. Deshalb müsse die Menschheit "vor allem versuchen, mit Öl und Kohle sparsam umzugehen".

Der 90-jährige Manabe wurde in Japan geboren, lebt aber in den USA. Zuletzt forschte er an der Elite-Universität Princeton. Bereits in den 60er Jahren hatte Manabe nachgewiesen, dass der Anstieg der Temperaturen auf der Erde mit dem CO2-Gehalt in der Atmosphäre zusammenhängt.

Heute gilt der Klimawandel als eines der drängendsten und größten Probleme unserer Zeit. In knapp vier Wochen bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow wird über Maßnahmen zur Eindämmung der Erderwärmung verhandelt.

Hasselmann wuchs in England auf. Da sein Vater Sozialdemokrat war, war die Familie 1934 nach England emigriert. Der Physiker bezeichnet Englisch daher als seine erste Muttersprache. 

1949 kehrte Hasselmann nach Deutschland zurück. Er studierte in Hamburg und Göttingen Physik und Mathematik. Nach seiner Promotion war er in den 60er Jahren Assistenz-Professor an der kalifornischen Universität von San Diego und lehrte danach zunächst an der Uni Hamburg, bevor er 1975 die Leitung des Max-Planck-Instituts für Meteorologie übernahm.

Bereits im vergangenen Jahr war ein Deutscher mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet worden. Der Astrophysiker Genzel teilte sich den Preis mit dem Briten Roger Penrose und der US-Wissenschaftlerin Andrea Ghez für ihre Forschungen zu Schwarzen Löchern. 

Die diesjährige Nobelpreis-Saison hatte am Montag mit der Kategorie Medizin begonnen. Ausgezeichnet wurden die US-Forscher David Julius und Ardem Patapoutian für ihre Grundlagenvorschung zur Hitze- und Druckwahrnehmung im menschlichen Körper. Am Mittwoch und Donnerstag folgen die Nobelpreise für Chemie und Literatur, am Freitag der Friedensnobelpreis und am Montag die Auszeichnung für Wirtschaftswissenschaften. 

yb/cp



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