Ein Glas Milch hilft - wem?

Werbekampagnen und Lobbying haben Kuhmilch zu einem Massenprodukt gemacht. Doch der Preis dafür ist hoch.

Die versteckten Umweltkosten der deutschen Milchproduktion belaufen sich auf 7 bis 11 Milliarden Euro pro Jahr. Das berechnete CORRECTIV aus den Ergebnissen einer noch nicht veröffentlichten Studie des Umweltbundesamtes.

Ein Glas Milch am Morgen für die Kinder vor der Schule. Gesund. Ein Glas Milch am Abend für die Großmutter im Altenheim. Beruhigend. Und dazwischen ein gutes Gewissen beim Joghurt, bei der Käsestulle und dem probiotischen Drink zum Nachtisch. Milch und seine unzähligen Produkte erscheinen uns unersetzlich für unsere Gesundheit und umweltfreundlicher als Wurstbrote. Der Großteil der Deutschen konsumiert sie täglich. Und sie scheinen günstig, ein Sahnejoghurt kostet im Discounter 29 Cent, ein Mozzarella-Bällchen 49 Cent, ein halber Liter Buttermilch 39 Cent.


Aber stimmt das überhaupt?

Doch unsere Lust auf Milch kommt uns teuer zu stehen. Eine einflussreiche Lobby der Milchindustrie –​​ in Parlamenten, Institutionen und Schulen – hat es geschafft, die wahren Kosten des Tierprodukts zu verschleiern. Staatliche Organisationen haben Milch als unverzichtbar für die Gesundheit dargestellt, die Großindustrie darf selbst an Schulen für Milch werben und ihre Vertretenden stimmen in Brüssel und Berlin für Gesetze, die den Konsum ankurbeln und dem Klima schaden.

Der Agrarexperte Knut Ehlers sagt: „Die versteckten Umweltkosten von Milch zahlen wir nicht an der Supermarktkasse, sondern sie übernimmt die Allgemeinheit und häufig wird erst zukünftigen Generationen die Rechnung vorgelegt werden – beispielsweise in Form eines verschärften Klimawandels oder dem Verlust an Artenvielfalt.“

Denn die Massenproduktion von Milch verursacht Treibhausgase und schädigt durch die großen Mengen an Dünger Böden und Gewässer. Ehlers ist Agrarwissenschaftler beim Umweltbundesamt, das die Studie „Sichtbarmachung versteckter Umweltkosten der Landwirtschaft am Beispiel von Milchproduktionssystemen“ beim Öko-Institut zusammen mit dem Forschungsunternehmen Infras und dem Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft in Auftrag gegeben hat.

Die Studie wird in Kürze veröffentlicht, die Ergebnisse liegen CORRECTIV bereits vor. In ihr beziffern die Forschenden erstmals auch indirekte Klima- und Umweltschäden der Milchproduktion mit Eurobeträgen.


von Annika JoeresKatarina Huth, Sophia Stahl und Christoph Pengel


Bild: Correctiv



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