Taliban: Verteilung von Hilfen an Bedürftige

Die Taliban versprechen transparente Verteilung von Milliardenhilfen an Bedürftige

Die radikalislamischen Taliban haben versprochen, die bei der UN-Geberkonferenz zugesagten humanitären Hilfen in Milliardenhöhe für alle nachvollziehbar an Bedürftige zu verteilen. "Das Islamische Emirat wird sein Bestes tun, um diese Hilfe auf völlig transparente Weise an die bedürftige Bevölkerung zu verteilen", sagte der Taliban-Außenminister Amir Khan Muttaki am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Kabul. Er bat die Geberländer, ihre Unterstützung für Afghanistan fortzusetzen.

"Islamisches Emirat" ist die Eigenbezeichnung der Taliban für Afghanistan, wo sie vor gut einem Monat nach dem Truppenabzug der Nato-Staaten die Macht übernommen hatten. Die Regierung der Taliban wird bisher international nicht anerkannt.

Muttaki forderte die USA nun auf, großzügiger zu sein. "Amerika ist ein großes Land, sie müssen ein großes Herz zeigen", sagte Muttaki. Er begründete seine Forderung damit, dass die Taliban den USA bei ihrem Abzug und der Evakuierung von Ausländern per Luftbrücke geholfen hatten. "Aber anstatt sich zu bedanken, sprechen sie davon, Sanktionen gegen unser Volk zu verhängen", sagte Muttaki.

Die USA hatten bei der Geberkonferenz am Montag 60 Millionen Dollar (54 Millionen) Euro Hilfe zugesagt. Zum Vergleich: In den 20 Jahren des US-Militäreinsatzes in Afghanistan hatte Washington mehr als zwei Billionen Dollar zur Stützung der nun gestürzten Regierung ausgegeben. 

Insgesamt kamen der UNO zufolge am Montag 1,2 Milliarden Dollar (1,02 Milliarden Euro) zusammen. Deutschland und Frankreich versprachen jeweils 100 Millionen Euro. UN-Generalsekretär António Guterres hatte die internationale Gemeinschaft bei der Gelegenheit zur Zusammenarbeit mit den Taliban aufgerufen. Er glaube, die Hilfszahlungen könnten als Druckmittel eingesetzt werden, um die Islamisten zur Achtung der Menschenrechte zu bewegen.

Afghanistan ist seit Jahren auf internationale Hilfen angewiesen. Bereits Ende vergangenen Jahres hatten die Vereinten Nationen zu Hilfen im Umfang von 1,3 Milliarden Dollar aufgerufen. Der entsprechende Topf ist aber nach wie vor stark unterfinanziert. 

Den unmittelbaren Hilfsbedarf hatte Guterres am Montag auf 606 Millionen Dollar (514 Millionen Euro) beziffert. Fast ein Drittel dieses Bedarfs ist im Zusammenhang mit der Machtübernahme der Taliban entstanden. 

Nach UN-Angaben ist nun die Hälfte der Kinder unter fünf Jahren in Afghanistan von Hunger bedroht. Das Land leidet unter einer starken Dürre, seit der Machtübernahme der Taliban befindet es sich zudem in einer Wirtschaftskrise. 

Die Taliban haben keinen Zugang zu Finanzmitteln der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) und Washington hat seine Finanzhilfen für die afghanische Regierung eingefroren. Die neuen Machthaber haben deshalb Probleme, Gehälter auszuzahlen und die Verteuerung der Lebensmittel einzudämmen.

Muttaki zufolge hat Afghanistan bereits Hilfen aus Ländern wie Pakistan, Katar und Usbekistan erhalten. Einzelheiten dazu nannte er aber nicht. Zudem habe er mit dem chinesischen Botschafter über Corona-Impfstoffe und andere humanitäre Anliegen gesprochen. Peking habe demnach 15 Millionen Dollar zugesagt, die "bald" zur Verfügung stünden.

fml/ju



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