Flanieren Münster die Zweite im historischen Gutshof Haus Coerde

Künstlerin Ulrike Jost-Westendorf zu Gast bei Monika Schiwy im Atelier ART & Weise

Münster. Flanieren die Zweite

Neben Bildhauer Jörg Haberland war auch die Malerin Ulrike Jost-Westendorf erstmals als Ausstellungsgast bei Monika Schiwy im Atelier ART & Weise in Münster, Haus Coerde. Insgesamt 24 Ateliers öffneten mit Kunst, Schmuck und u.a. Kleiderkunst in ganz Münster ihre Türen beim Flanieren Münster. 

Ulrike Jost-Westendorf zeigte u.a. eine besondere Arbeit: „Die Buche“ Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Dreizack und Krebs (mit Maske), 130 x 100 cm, 2018-2020. "Erst einmal muss ich erklären, wie ich auf die Idee gekommen bin die Bundeskanzlerin zu porträtieren, denn eigentlich hatte ich noch nie das Bestreben Politiker*innen zu malen." Das hat sich im Jahr 2015 jäh geändert, nachdem sie den so viel zitierten Satz  „Wir schaffen das“ aussprach. Ich habe ihre Haltung und ihre Stärke, die Sie selbst in der eigenen Partei zeigen musste, bewundert. Danach keimte schnell die Idee sie zu porträtieren. In den mehr als zwei Jahren bis zur Umsetzung kristallisierte sich eine Bildidee heraus, die, so finde ich, ihrer würdig ist und die vielen Krisen, die sie in Ihrer Amtszeit bewältigen musste, widerspiegelt."Ulrike Jost-Westendorf.

Auf den Baum „Die Buche“ (Titel des Bildes) kam die Künstlerin, indem sie um etwas mehr über Angela Merkel persönlich zu erfahren, ihre Homepage besuchte. Sie erfuhr von ihrer Liebe zur Natur. "Von diesem Augenblick an war mir klar, dass Merkel in einem landschaftlichen Umfeld dargestellt werden solle". Für eine weitere Inspiration schaute sie sich das Porträt von Kanzler Schröder von Jörg Immendorff an, welches ein Kanzlerporträt ist, das nicht einfach nur ein Abbild ist, sondern einen deutlich künstlerischen Gehalt hat. Sie übernahm das Oval im Bild als Format, da sie die Kanzlerin ebenso bedeutend erscheinen lassen wollte. Jost Westendorf merkt an, dass sie die Bundeskanzlerin Angela Merkel immer für eine würdige Vertreterin unseres Landes gesehen habe, und das sie ein grundlegendes Kriterium für die Entscheidung, dieses Porträt zu malen.

Die Idee, sie unter dem Blattwerk einer Buche darzustellen, basierte zunächst auf rein künstlerischen Aspekten. Auch der Steckbrief der Buche lasse sich gut damit verbinden, wie sie die Bundeskanzlerin wahrgenommen habe. Die schöne Bernsteinkette (ebenfalls ein Produkt der Natur), die die Kanzlerin öters trägt, sollte auch nicht fehlen. Die Herbstfärbung der Buchenblätter passe sehr gut zur Kette und auch zu ihrer Haarfarbe. Die Entscheidung keine sommergrünen Blätter einzubringen, verband Jost-Westendorf damit, dass sie sich zur Zeit der Aussage „Wir schaffen das“ im „Herbst“ Ihrer Amtszeit befand. Das fallende Blatt auf der linken Bildseite verweist auf den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU, denn betrachtet man das Laub, dann erkennt man elf größere Blätter. Die Anzahl der auffälligen Blätter setzte sie gleich mit der Anzahl der Sterne auf der Europaflagge. "Die ursprüngliche Idee, die Sterne in den blauen Hintergrund des Ovales zu setzen, verwarf ich aus kompositorischen Gründen. Mit dem ovalen Goldrand wollte ich das Bild in seiner Materialität aufwerten." so verwandte die Künstlerin Blattgold.

Für die fallenden Blätter, die im Hintergrund zu sehen sind, verwendete sie Goldfolie der "vor Unterkühlung schützenden Rettungsdecken", die bei der Seenotrettung zum Einsatz kommen. Hier wird klar, warum sich im unteren Bereich des Bildes Wasser befindet. Damit wollte sie die „Flüchtlingskrise“ einbringen. Die Fische stehen stellvertretend für die Flüchtlinge. Einige schaffen es in der Europäische Union aufgenommen zu werden, sie schwimmen in das Oval, andere nicht. Unter der Wasseroberfläche schimmern bei genauerem Hinsehen die Umrisse von Dreizack und Krebs heraus. Sie verweisen sowohl auf ihr als auch auf die Sternbilder der Porträtierten und der Künstlerin und stehen aber auch für die Wehrhaftigkeit der Bundeskanzlerin, die mal unterschwellig, mal deutlich in Erscheinung trat. Aus heutiger Sicht könne das Wasser, in dem sie ja förmlich steht, auf die Klimakrise verweisen und die in das Meer fallende Plastikfolie als Verweis auf die Verschmutzung der Meere. Die Finanzkrise sei nicht direkt im Bild zu sehen, wobei das aus Blattgold bestehende Oval auch als Schutzschirm gesehen werden könne. Auf die Bankenkrise Bezug nehmend befestigte sie eine Euromünze in einem „Sparstrumpf“ an dem Keilrahmen. "Damit möchte ich auf die Sorge einiger Sparer verweisen, die ihr Geld auf der Bank (später auch bei drohenden Negativzinsen) nicht mehr gut aufgehoben wussten,"  dazu die Künstlerin. Erst im vergangenen Jahr kam noch ein durch Magnete gehaltener und damit abnehmbarer Mund-Nasen-Schutz als Hinweis auf die Corona-Krise hinzu. Hier brachte die Künstlerin dann doch noch die Europaflagge ins Spiel, allerdings wegen der zeitweise geschlossenen Grenzen und der Unstimmigkeiten der EU-Staaten mit auseinanderdriftenden, zum Teil verblassenden Sternen. Neben der Bezugnahme auf die Krisen, die sie in Ihrer Amtszeit bewältigen musste, war ihr wichtig, Angela Merkel wie ein Fels in der Brandung wirken zu lassen, ruhig, besonnen, warmherzig, freundlich und dennoch die Staatsfrau. Die „Merkel-Raute“ durfte in diesem Zusammenhang natürlich nicht fehlen. Durch das schwarze Sakko tritt sie deutlich in Erscheinung. Der Ausschnitt des weißen Shirts, der eine nach unten spitz zulaufende Form bildet, verweist förmlich darauf.

Sehenswert.
Das Gemälde ist verkäuflich.

Termin bzw. ein Besuch können vereinbart werden im Atelier ART & Weise mit Monika Schiwy und Ulrike Jost Westendorf, Tel. 017612039113
Anfahrt: Coermühle 50f, 48157 Münster, Haus Coerde.
http://www.monikaS.de



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