Mehrkosten durch Einsparungen ausgleichen

Mit dem Jahreswechsel wird für viele Bundesbürger der Strom teurer. Rund 500 deutsche Stromanbieter erhöhen trotz fallender Großhandelspreise ab dem 1. Januar 2020 die Preise für die Endverbraucher

Düsseldorf - In Nordrhein-Westfalen sind es mehr als 70 Stromanbieter (Stand: 19. Dezember 2019), die an der Preisschraube drehen. Dabei fallen die Anstiege zwischen 1,9 Prozent und 13,6 Prozent sehr unterschiedlich aus. Für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von rund 4.000 kWh könnten die Kosten über den Zwölf-Monate-Zeitraum im Schnitt um cirka 70 Euro steigen. 

Wenn die Kosten steigen, hilft es manchmal zu sparen. Das gilt bei Butter, Brot, Benzin und Strom gleichermaßen. Sozusagen mit einem Schlag ließen sich die Mehrkosten durch den Strompreis-Anstieg zum Jahreswechsel ausgleichen, wenn zum Beispiel eine alte Heizungspumpe durch eine neue ersetzt werden würde. Eine alte Heizungspumpe verbraucht zwischen 500 und 600 kWh pro Jahr. Das kann bis zu 200 Euro ausmachen. Im Vergleich: Eine moderne Heizungspumpe verbraucht zwischen 50 und 100 kWh, also rund 30 Euro/a. „Bei einem Austausch alt gegen neu macht sich die Investition in der Regel in weniger als vier Jahren bezahlt“, so Dipl.-Ing. Günter Neunert von der EnergieAgentur.NRW. Er rät, die Heizungspumpe im Zweifel vom versierten Handwerker des Vertrauens prüfen zu lassen.

Wer bereits eine effiziente Pumpe betreibt, dem bleibt nur, nach anderen Möglichkeiten des Stromsparens zu suchen. Ein weiterer Klassiker wäre da die Beleuchtung. „Durch Investitionen ließe sich hier auch einiges sparen“, so Neunert. Allerdings sei das Potenzial durch den Einsatz von Energiesparlampen oder LED bereits weitgehend ausgeschöpft. „Aus der Praxis wissen wir, dass es nur vereinzelt private Haushalte gibt, die noch veraltete Leuchtmittel nutzen. Schließlich sind die aus dem Handel praktisch verschwunden“, erklärt der Experte von der EnergieAgentur.NRW.

Bei den großen Stromverbrauchern wie Kühl- und Gefrierschrank, Waschmaschine oder Herd wird’s schwer mit dem Einsparen. Schließlich kann man die Geräte nicht einfach stundenweise abstellen oder gar aufs Kochen verzichten. „Hier ließe sich ein weniger effizientes Gerät allerdings durch ein effizientes ersetzen. Das macht aber tatsächlich aus Verbrauchersicht nur Sinn, wenn das ältere Gerät seinen Dienst nicht mehr tut“, erklärt Neunert.

Trotzdem gibt es Möglichkeiten, auch ohne Investitionen im Haushalt Strom zu sparen. Das Stichwort lautet hier: Nutzerverhalten. „Es lohnt sich, konsequent den Stand-by-Modus bei Fernseher, der Unterhaltungselektronik und rund um die Computer zu vermeiden. Allein so lassen sich 150 bis 200 Euro pro Jahr einsparen“, rechnet der Ingenieur vor. So verbraucht ein Drucker, der 20 Stunden am Tag im Stand-by-Modus auf seinen Einsatz wartet, rund 110 kWh – oder rund 35 Euro – pro Jahr. „Heute ist es fast gang und gäbe, den PC tagsüber nicht mehr herunterzufahren, auch wenn er stundenlang nicht gebraucht wird. Dabei lohnt es sich, den Rechner abzuschalten, sobald er länger als 30 Minuten nicht genutzt wird“, so Neunert.

Als Grund für die Preiserhöhungen wird unter anderem die EEG-Umlage genannt, die ab 1. Januar um 5,5 Prozent ansteigt. Dagegen ist an der Strombörse EPEX-Spotmarkt der Preis für die Megawattstunde Strom zwischen Januar und November 2019 von 48,39 Euro auf 36,96 Euro gefallen. Das entspricht einer Preisreduktion im Großhandel um rund 25 Prozent. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Preis für die Kilowattstunde Strom für einen Privathaushalt von rund 14 Cent auf inzwischen mehr als 30 Cent/kWh mehr als verdoppelt.Der Strompreis für den Endkunden wird zu mehr als 50 Prozent durch Abgaben, Umlagen und Steuern bestimmt. Rund 23 Prozent des Preises gehen auf Kosten für Transport (Netzentgelte) und Messung zurück. Rund 25 Prozent landen letztlich beim Energieversorger.


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