Arbeitsmarkt hat sich weiter erholt

Der deutsche Arbeitsmarkt hat im August weitere Fortschritte bei der Bewältigung der Corona-Pandemie gemacht. Trotz der Sommerpause sank die Zahl der Arbeitslosen um 12.000 auf 2,578 Millionen, wie die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag mitteilte. Gegenüber August vergangenen Jahres waren 377.000 Menschen weniger arbeitslos. "Das Arbeitsmarktgeschehen stimmt einen wirklich optimistisch", sagte BA-Chef Detlef Scheele.

Üblich ist im Juli und August wegen der Ferienzeit eigentlich ein Anstieg der Erwerbslosigkeit. In diesem Jahr fiel die Sommerpause am Arbeitsmarkt in Deutschland aus, denn auch vergangenen Monat war die Arbeitslosenzahl gesunken. Die Arbeitslosenquote betrug im August wie im Juli 5,6 Prozent.

"Der Arbeitsmarkt hat sich weiter erholt", sagte Scheele. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung seien weiter kräftig gesunken, "das Beschäftigungswachstum gewinnt an Schwung." Es gebe derzeit keinen Indikator am Arbeitsmarkt, der ins Negative weise. Scheele nannte es entscheidend, dass sich möglichst viele Menschen gegen das Coronavirus impfen - in der Pandemie liege nach wie vor das größte Risiko für den Arbeitsmarkt.

Vollständig überwunden sein werde die Corona-Pandemie allerdings erst Ende des Jahres 2023 oder Anfang des Jahres 2024, sagte der BA-Chef. Dies sei für die Massivität der Krise aber schnell. Ohne die Corona-Pandemie läge die Arbeitslosenzahl nach Einschätzung der Bundesagentur derzeit um gut 260.000 niedriger.

Bei der Erwerbstätigkeit und der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung sieht die Bundesagentur aber eine "beachtliche Aufwärtsbewegung". Nach den jüngsten vorliegenden Zahlen stieg die Zahl der Erwerbstätigen im Juli saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 100.000. Mit rund 44,5 Millionen Erwerbstätigen arbeiteten 280.000 Menschen mehr als im Juli des Vorjahres. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg von Mai auf Juni um 79.000 und lag bei rund 33,8 Millionen Menschen. Dies waren laut BA 463.000 mehr als vor einem Jahr.

Am Ausbildungsmarkt gab es kurz vor Beginn des nächsten Ausbildungsjahres 37.000 Bewerber weniger als vor einem Jahr, insgesamt meldeten sich 420.000 junge Menschen. Von diesen hatten bis August 84.000 noch keine Lehrstelle. Allerdings standen dem 151.000 noch unbesetzte Lehrstellen gegenüber.

Für den Deutschen Gewerkschaftsbund kritisierte Vorstandsmitglied Anja Piel, dass nur jeder zehnte Betrieb die Phase der Kurzarbeit während der Corona-Pandemie für Weiterbildung der Beschäftigten genutzt habe. Angesichts des enormen Qualifizierungsbedarf müsse insgesamt mehr passieren - hier müsse die kommende Bundesregierung mehr Anreize setzen.

Auch Scheele kritisierte die ausgebliebenen Anstrengungen bei der Fortbildung. Dabei bekräftigte er erneut seine Warnungen vor einem Arbeitskräftemangel. Es sei "befremdlich", dass die lange Zeit der Kurzarbeit nicht für Qualifizierungen genutzt worden sei. "Die Zeit war frei, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fortzubilden." Die Mittel seien da, die Weiterbildungen könnten finanziert werden. Gerade mit Blick auf die Digitalisierung müsse hier mehr passieren, um zu verhindern, dass Geringqualifizierte den Anschluss verlieren.

ran/ilo



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