US-Truppenabzug abgeschlossen

Der "längste Krieg" der US-Geschichte ist vorbei:

Die USA haben ihren Truppenabzug aus Afghanistan abgeschlossen und ihren Militäreinsatz am Hindukusch damit nach 20 Jahren beendet. Eine letzte US-Militärmaschine hob in der Nacht zum Dienstag afghanischer Zeit vom Flughafen der Hauptstadt Kabul ab, wie die US-Streitkräfte mitteilten. Damit ist auch die militärische Evakierungsmission abgeschlossen. US-Präsident Joe Biden hatte einen vollständigen Truppenabzug bis zum 31. August angeordnet.

"Ich bin hier, um den Abschluss unseres Abzugs aus Afghanistan und das Ende der Militärmission zur Evakuierung von US-Bürgern, Staatsbürgern von Drittstaaten und gefährdeten Afghanen bekanntzugeben", sagte der Chef des Zentralkommandos der US-Streitkräfte, General Kenneth McKenzie. Die letzte Militärmaschine vom Typ C-17 hob demnach genau eine Minute vor Mitternacht afghanische Zeit ab.

Auf Nachfrage bestätigte McKenzie, dass sich damit kein US-Soldat mehr in Afghanistan befindet. An Bord der letzten Maschine war unter anderem der geschäftsführende US-Botschafter in Afghanistan, Ross Wilson.

Die Ankündigung des Generals markiert das Ende des 20-jährigen Militäreinsatzes der USA in Afghanistan. Bei den radikalislamischen Taliban, die vor etwas über zwei Wochen die Macht übernommen hatten, löste der Truppenabzug Jubel aus. "Wir haben erneut Geschichte geschrieben", erklärte der ranghohe Taliban-Vertreter Anas Hakkani im Online-Dienst Twitter. "Die 20-jährige Besatzung Afghanistans durch die USA und die Nato ist heute Nacht zu Ende gegangen." In Kabul wurden Freudenschüsse abgegeben.

Die USA und ihre Nato-Partner waren nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschiert. In kurzer Zeit vertrieb das westliche Militärbündnis die damals herrschenden Taliban, die dem Terrornetzwerk Al-Kaida Unterschlupf gewährt hatten, von der Macht. Zur Ruhe kam Afghanistan aber nie, der blutige Konflikt zog sich über knapp zwei Jahrzehnte und gilt als "längster Krieg" in der US-Geschichte.

Die Regierung des damaligen US-Präsidenten Donald Trump sagte den Taliban schließlich im Februar 2020 einen vollständigen Truppenabzug bis zum 1. Mai des folgenden Jahres zu. Im Gegenzug sollten die Taliban ihre Verbindungen zu Al-Kaida kappen, keine Angriffe mehr auf westliche Truppen verüben und Friedensverhandlungen mit der afghanischen Regierung aufnehmen.

Trumps Nachfolger Biden kündigte dann im vergangenen April zunächst an, dass die USA ihren Afghanistan-Einsatz bis zum 11. September abschließen, dem 20. Jahrestag der Terroranschläge von 2001. Das Datum wurde später auf den 31. August vorgezogen.

Inmitten der US-Truppenreduzierung überrannten die Taliban das Land und übernahmen am Wochenende vom 14. August mit ihrem Einmarsch in Kabul die Macht. Es folgte ein dramatischer Evakuierungseinsatz am Kabuler Flughafen, um westliche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte außer Landes zu bringen. 

Nach Angaben von US-General McKenzie wurden seit dem 14. August mehr als 123.000 Zivilisten ausgeflogen, 79.000 davon mit US-Militärmaschinen. Allerdings bleiben zahlreiche afghanische Ortskräfte und auch eine nicht genau bekannte Zahl westlicher Staatsbürger in Afghanistan zurück. McKenzie betonte, die diplomatische Mission, um Menschen eine Ausreise aus Afghanistan zu erlauben, dauere an.

Der Truppenabzug und die Evakuierungsmission waren vergangene Woche durch einen Selbstmordanschlag der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) mit mehr als hundert Toten überschattet worden. Unter den Opfern waren 13 US-Soldaten. Biden ist wegen der chaotischen Umstände des Truppenabzugs, der Machtübernahme der Taliban und wegen des Anschlags massiv in die Kritik geraten.

fs/isd



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