Diskriminierung bei Jobsuche

Menschen mit Migrationsgeschichte fühlen sich bei Jobsuche häufig diskriminiert

Ein ausländisch klingender Name, eine außereuropäische Staatsangehörigkeit: Menschen mit Migrationsgeschichte fühlen sich laut einer aktuellen Umfrage bei der Jobsuche häufig diskriminiert. Insgesamt 53 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich mehr oder weniger regelmäßig bei der Jobsuche benachteiligt fühlten, wie das Internetportal Indeed am Dienstag mitteilte. Nur 37 Prozent hatten dieses Gefühl noch nie.

"Dass sich Menschen aufgrund ihres Namens, der Religion oder der Hautfarbe im Arbeitsleben diskriminiert fühlen, ist einfach ein Unding, aber leider alltäglich", erklärte der Indeed-Geschäftsführer für deutschsprachige Märkte, Frank Hensgens. "Menschen mit Migrationshintergrund müssen die gleiche Chance erhalten, im Berufsleben erfolgreich zu sein". Dies gelte insbesondere auch für Frauen mit Migrationsgeschichte.

Für die Umfrage wurden im Auftrag von Indeed in einer YouGov-Umfrage rund 500 Menschen mit Migrationsgeschichte befragt. Insgesamt leben in Deutschland mittlerweile rund 21 Millionen Menschen mit einem solchen biografischen Hintergrund und stellen damit einen substanziellen Anteil der Erwerbstätigen in Deutschland.

16 Prozent der Befragten gaben an, häufig das Gefühl zu haben, bei der Jobsuche diskriminiert zu werden. Weitere 26 Prozent fühlten sich zumindest manchmal benachteiligt, 12 Prozent hatten diesen Eindruck nur selten. Insgesamt fühlten sich rund die Hälfte aller Frauen bei der Jobsuche diskriminiert, bei den Männern war es rund ein Drittel. Unter Frauen war auch das Gefühl weiter verbreitet, in Bewerbungsprozessen selten oder nie eine faire Chance zu bekommen: ein Drittel äußerten sich entsprechend, bei den Männern war es rund ein Viertel.

Auch nach dem Bewerbungsprozess hörte die wahrgenommene Diskriminierung jedoch nicht auf: 37 Prozent aller Befragten gaben an, für die gleiche Anerkennung im Job mehr tun zu müssen als andere. Besonders den 35- bis 44-Jährigen war dieses Gefühl zu 52 Prozent bekannt. Bei den 18- bis 34-Jährigen waren es 40 Prozent.

Am häufigsten fühlten sich die Menschen aufgrund ihres Namens (37 Prozent), ihrer Staatsangehörigkeit (31 Prozent), ihrem Geburtsland (27 Prozent) und ihrer Religion (26 Prozent) diskriminiert. 43 Prozent sahen die größten Hindernisse in der Bevorzugung von deutschen Muttersprachlern und Vorurteilen gegenüber Menschen mit Migrationsgeschichte. Auch die Bevorzugung deutscher Ausbildungsabschlüsse spielte laut 31 Prozent der Befragten eine Rolle.

Menschen mit Migrationsgeschichte haben den Unternehmen aber viel zu bieten: 55 Prozent der Befragten gaben auf die Frage, welche Fähigkeiten aus Ihrer Sicht von den Unternehmen stärker wertgeschätzt werden sollten, ihre Vielsprachigkeit an, 49 Prozent die interkulturelle Kompetenz. Auch Anpassungsfähigkeit (47 Prozent), fachliche Kompetenz (44 Prozent) und internationale Arbeitserfahrung (38 Prozent) bringen die Bewerber mit. 33 Prozent der Befragten gaben außerdem an, einen neuen Blickwinkel auf Themen an ihrem Arbeitsplatz einbringen zu können.

Gegen die Diskriminierung bei der Jobsuche helfen könnten laut 35 Prozent der Befragten strukturierte Bewerbungsgespräche, in denen alle Bewerber und Bewerberinnen die selben Fragen beantworten müssen. Auch anonymisierte Bewerbungen hielten 35 Prozent der Befragten für sinnvoll. "Genauso entscheidend ist allerdings, dass sich Führungskräfte ihrer Vorurteile bewusst werden, um einer diskriminierenden Personalauswahl und -entwicklung in jeglicher Hinsicht vorzubeugen", erklärte Hensgens weiter.

fho/jm



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