Ermittlungsgruppe zu Impfskandal berufen

Polizei richtet Ermittlungsgruppe zu Impfskandal in Ostfriesland ein

Im Skandal um möglicherweise tausende unwirksame Corona-Impfungen in einem Impfzentrum in Ostfriesland werden die Ermittlungen der Polizei in einer speziellen Arbeitsgruppe konzentriert und ausgeweitet. Die Entscheidung dazu sei angesichts der "besonderen Bedeutung und gewachsenen Komplexität" des Falls getroffen worden, erklärte die Polizei im niedersächsischen Oldenburg am Dienstag. Eine Krankenschwester könnte in dem Impfzentrum im Frühjahr bis zu etwa 10.200 Spritzen mit Kochsalzlösung aufgezogen haben.

Die Entscheidung zur Einrichtung der Ermittlungsgruppe "Vakzin" stehe "im Einklang zu den sich verdichtenden Hinweisen, dass seitens der Beschuldigten weitere Manipulationen von Impfungen vorgenommen worden sein könnten und ein Motiv einer kritischen Haltung zum Thema Impfungen nicht ausgeschlossen werden kann", teilte die Polizei weiter mit. Die Gruppe bestehe auch acht Ermittlern, darunter auch Beamte aus dem Bereich Staatsschutz.

Die Polizei betonte zugleich, dass das tatsächliche Ausmaß der mutmaßlichen Manipulationen durch die Verdächtige weiterhin unklar sei. Der Landkreis Friesland, in dessen Impfzentrum in Schortens die Frau bis zu ihrer Entdeckung und Entlassung im April arbeitete, rief vorsorglich rund 10.200 Menschen zu Ergänzungsimpfungen auf. Die Betroffenen erhalten neue Termine.

Die Zahl ergibt sich dabei laut Behörden aus der Gesamtzahl der Impftermine, die zu den Dienstplanzeiten der Beschuldigten im März sowie April vergeben wurden. In wie vielen Fällen davon tatsächlich nur Kochsalzlösung statt Impfstoff verabreicht wurde, ist unklar. Die Frau schweigt. Nach der langen Zeit sind Antikörpertests zur Impfstatusermittlung außerdem nicht mehr geeignet. Die Behörden wollen daher jedes Risiko ausschließen.

Oldenburgs Polizeivizepräsident Andreas Sagehorn erklärte am Dienstag, die Zahl der erneut zur Impfung aufgerufenen Bürger entspreche "nicht der Anzahl der Verdachtsfälle". Aber es sei "Fakt", dass die Zahl auch nicht genau beziffert werden könne.

Die Krankenschwester des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) war in dem Impfzentrum für die Vorbereitung von Spritzen für Impfungen zuständig. Ende April sagte sie gegenüber einer Kollegin aus, sechs Spritzen lediglich mit einer Kochsalzlösung aufgezogen zu haben, nachdem ihr eine Biontech-Impfstoffampulle versehentlich heruntergefallen war. Sie wurde entlassen, die Ermittlungen ergaben dann Hinweise auf eine womöglich weit größere Dimension.

Kochsalzlösung wird regulär zur Verdünnung der Impfflüssigkeit eingesetzt und ist für den Körper unschädlich. Allerdings wird bei einer Verabreichung kein Impfschutz aufgebaut. Die meisten potenziell betroffenen Bürger erhielten im fraglichen Zeitraum eine von zwei Impfungen, in wenigen Fällen indessen auch beide.

Nach der Entdeckung der Krankenschwester im April wurden bereits einige Menschen zu Nachimpfungen aufgerufen. Vor einer Woche hatten Landkreis und Polizei die Öffentlichkeit darüber informiert, dass es angesichts des weiter unklaren Sachstands theoretisch bis zu etwa 8500 Betroffene geben könnte. Zuletzt stieg die Zahl um weitere rund 1600 Bürger. Dies lag daran, dass es Erkenntnisse zu weiteren Zusatzschichten der Frau gab.

Medienberichten zufolge soll die Verdächtige in sozialen Medien kritische Kommentare zu Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie und die Schutzimpfungen gegen das Virus geteilt haben. Ihr Anwalt widersprach gegenüber Medien wiederum den im Raum stehenden Vorwürfen der Manipulation von Impfdosen gegen seine Mandantin. 

bro/cfm



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