"Körpersprache hat einen sehr großen Einfluss auf unsere Wahrnehmung von Menschen"

WWU-Psychologe Simon Breil erforscht die Aussagekraft von nonverbalen Merkmalen wie Gestik und Mimik

Der erste Eindruck zählt: Ein Lächeln auf den Lippen oder dynamische Gesten wirken sich positiv auf das Persönlichkeitsurteil aus. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Simon Breil, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Psychologie der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster, in einer veröffentlichten Studie. Die Metaanalyse untersucht erhobene Studien aus den vergangenen 40 Jahren, die sich mit dem Zusammenhang zwischen nonverbalen Hinweisen und der Wahrnehmung von Persönlichkeiten beschäftigen. Im Gespräch mit Kathrin Nolte beschreibt Simon Breil den Einfluss von Körpersprache und die Überbewertung von nonverbalen Merkmalen. Er schildert außerdem, wie sich Bewerberinnen und Bewerber im Vorstellungsgespräch vorteilhaft präsentieren können.

Welchen Einfluss hat Körpersprache auf unsere Wahrnehmung von Menschen?

Generell kann man sagen, dass die Körpersprache einen sehr großen Einfluss auf die Wahrnehmung von Menschen hat. Zunächst muss man festlegen, was mit Körpersprache gemeint ist. Wir haben die Definition für unsere Studie breitgefasst und zählen neben der Gestik auch die Mimik zur Körpersprache. Also, ob Menschen lächeln, wie sie Augenkontakt mit ihrem Gegenüber halten und ob sie zittern oder angespannt wirken. Wir haben festgestellt, dass sich Personen stark darin unterscheiden, wie sie sich im Kontakt miteinander geben und dadurch wahrgenommen werden.

Welche nonverbalen Merkmale weisen auf was für eine Persönlichkeit hin?

Bleiben wir zunächst bei der Wahrnehmung: Wir haben uns die klassische Körpersprache, Mimik, paraverbale Elemente wie die Betonung, Schnelligkeit oder Lautstärke der Sprache und die Äußerlichkeiten wie Kleidung oder Frisur und Make-up als nonverbale Hinweise angeschaut. Die Persönlichkeit haben wir in fünf Bereichen aufgeteilt. Das sind die Big-Five-Persönlichkeitseigenschaften – Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extravertiertheit, Verträglichkeit, also wie freundlich Personen sind, und Neurotizismus, das heißt, wie gut Menschen mit Stress umgehen können und wie stabil sie emotional sind. Für die Wahrnehmung kann man sagen, dass alle nonverbalen Hinweise genutzt werden, um erste Abschätzungen dieser fünf Eigenschaften zu treffen. Wenn eine Person zum Beispiel lächelt, geht das mit einer positiveren Persönlichkeitseinschätzung einher. Es wird davon ausgegangen, dass die Personen geselliger, fleißiger und intelligenter sind. Menschen mit dynamischen Gesten werden ebenfalls als    extrovertierter, geselliger und freundlicher wahrgenommen. Personen, die beispielsweise einen schicken Anzug oder ein Kostüm tragen, wirken auf den ersten Blick fleißiger und gewissenhafter. Unser Fazit lautet, dass die Wahrnehmung von Persönlichkeiten sehr stark davon beeinflusst ist, wie wir uns geben und zwar bevor wir nur ein Wort miteinander gesprochen haben.

Wie zuverlässig sind nonverbale Merkmale für die Beurteilung einer Persönlichkeit?

Um herauszufinden, inwieweit die erste Wahrnehmung mit der wirklichen Persönlichkeit zusammenhängt, wurde in den Studien die Selbstsicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer angeschaut. Grundsätzlich kann man sagen, dass wir die Relevanz von nonverbalen Merkmalen deutlich stärker einschätzen, als sie in der Wirklichkeit vorhanden ist. Der erste Eindruck, den wir innerhalb von 15 Sekunden gewinnen, ist zwar häufig schon ganz genau, aber der Einfluss von Körpersprache wird überschätzt. Besonders die Eigenschaft der Extraversion – sprich die Geselligkeit und Extravertiertheit von Menschen – kann auf der Basis der Körpersprache gut eingeschätzt werden. Die anderen vier Persönlichkeitseigenschaften fallen demgegenüber deutlich ab.

Was für Erkenntnisse aus Ihrer Forschung kann jeder Einzelne für sein Privat- und Berufsleben gewinnen?

Das sind zwei Aspekte – je nachdem, welche Rolle man einnimmt: Wenn man sich beispielsweise in einem Bewerbungsgespräch oder bei einem Date gut präsentieren möchte, sollte einem klar sein, dass gerade am Anfang Gestik und Mimik einen großen Einfluss darauf haben, wie man wahrgenommen wird. Die Studienergebnisse zeigen, dass ein bestimmtes Verhalten auf eine bestimmte Art und Weise vom Gegenüber registriert wird. Das kann man sich gerade im Vorstellungsgespräch zunutze machen. Bewerber sollten vorher zum Beispiel einüben, freundlich zu schauen und souverän anstatt unsicher zu wirken. Auch die Auswahl der passenden Kleidung ist wichtig für die Wahrnehmung. Wer die Rolle des Entscheiders innehat, sollte die Wahrnehmung der nonverbalen Hinweise nicht überbewerten. Das heißt, man kann diese Aspekte zwar in seine Entscheidung einfließen lassen, aber es ist noch wichtiger, gezielt und systematisch Informationen im Gespräch zu sammeln, die für die ausgeschriebene Stelle von Bedeutung sind.

WWU Münster


Foto: Dr. Simon Breil 



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