Olympia - Julia Krajewski holt Gold

Als erste Frau gewinnt die 32-jährige Junioren-Bundestrainerin aus Warendorf mit der elfjährigen Stute Amande de B’Neville die begehrteste Medaille im Sport.

Tokio/JPN - (fn-press) - Julia Krajewski ist Olympiasiegerin in der Vielseitigkeit. Titelverteidiger Michael Jung (Horb) wird mit Chipmunk FRH Achter in der Einzelwertung. In der Teamwertung hatte das deutsche Trio, dem auch Sandra Auffarth (Ganderkesee) mit Viamant du Matz angehört, knapp das Podium verpasst. Nach kleinen Fehlern im Gelände erkämpfte sich das deutsche Team mit drei Nullrunden im Springen Platz vier.

Die Goldmedaille im Team geht an Großbritannien vor Australien und Titelverteidiger Frankreich. In der Einzelwertung wird der Brite Tom McEwen mit Toleso der Kerser Zweiter hinter Julia Krajewski. Der Australier Andrew Hoy, mit 62 Jahren der älteste Teilnehmer, gewinnt mit Vassily de Lassos bei seinen achten Olympischen Spielen die Bronzemedaille.

16:00 Uhr: Goldmedaillen-Gewinnerin Julia Krajewski nach ihrem Ritt: "Wahnsinn, ich kann mit Sicherheit sagen, ich habe es noch nicht richtig realisiert, was das jetzt heißt. Ich bin einfach unfassbar stolz auf mein Pferd und glücklich das geschafft zu haben. Und da ist ein ganz großes Gefühl von Dankbarkeit an all die Leute, die immer an mich geglaubt haben und hinter mir stehen. Mein Handy explodiert gerade. Irgendwie ist es ein riesiges Gefühl so eine Medaille gewonnen zu haben für Deutschland und für alle, die immer an mich glauben. Mandy ist bekannt dafür ein bisschen stutig zu sein, die war als ich mich das erste Mal drauf gesetzt habe, schon ein bisschen am Bocken und hat sich gut angefühlt und ist die zweite Runde fast noch besser gesprungen als die erste. Sie hat mir unheimlich viel Sicherheit gegeben, ich hatte fast das Gefühl, sie weiß worum es geht heute und hat alles für mich gegeben. Die Medaille gehört genauso meinem Pferd wie mir. Ich bin einfach unheimlich stolz, das hier so abgeliefert zu haben."

15:20 Uhr: Hans Melzer freut sich für Julia Krajewski: "Das Pferd (Amande de B'Neville) ist einfach gigantisch, hat unheimlich Springvermögen, es ist ja auch entdeckt worden bei einem Springpferdechampionat in Frankreich, nicht bei einem Vielseitigkeitspferdechampionat. Julia hat heute zwei tolle Runden geritten. Sie hat es verdient zu gewinnen. Sie war in allen drei Teildisziplinen überragend, hat heute auch zwei fehlerfreie Runden geritten. Mehr geht nicht. Ich habe das vor zwei Jahren zu ihr gesagt. Eines Tages stehst du ganz da oben, dann ist alles, was in der Vergangenheit mal nicht so funktioniert hat, vergessen. Für sie ist das heute was ganz Besonderes und auch eine Bestätigung, wie gut sie ist."

Für Hans Melzer waren die Olympischen Spiele das letzte Championat als Bundestrainer. Unter seiner Führung stellte Deutschland vier Mal in Folge den Olympiasieger in der Einzelwertung. Hinrich Romeike (2008), Michael Jung (2012 und 2016) und nun Julia Krajewski. Melzers Fazit: "Ich bin stolz, stolz mit einer Goldmedaille abzutreten, ohne Frage!  Auch wenn es jetzt nicht so hingehauen hat mit dem Team, da hatten wir uns natürlich mehr erhofft. Aber ein bisschen Glück gehört auch dazu. Wir hatten, glaube ich, die richtigen Paare hier, aber am Geländetag nicht das nötige Glück, wenn ich an Michi denke.  Aber so ist der Sport. Aber einen versöhnlicheren Abschluss als heute - mit dem Team Vierter und Julia gewinnt - hätte es nicht geben können für uns." 

15:00 Uhr: Michael Jungs Kommentar nach seinem Ritt: „Das Ziel war null und schnell zu sein, ich hatte nur die eine Chance, die anderen ein bisschen unter Druck zu setzen, das ist jetzt nicht ganz aufgegangen, das ist natürlich ärgerlich, ich weiß jetzt nicht, was das ohne den Fehler gegeben hätte. Aber wir haben eine deutsche Siegerin, da können wir überglücklich sein. Durch die knappe Zeit musste man sehr vorwärts reiten, das wurde mir dann auch zum Verhängnis in der Kombination. So ist der Sport. Bilanz: Das war alles nicht so ideal. Alles nicht nach Plan. Chipmunk ist ein tolles Pferd, er hat alles richtig gemacht die ganzen Tage. Das nötige Glück braucht man eben auch. Die letzten Male hatte ich das, jetzt hat es jemand anderes gehabt. Jetzt bin ich natürlich enttäuscht, aber wir kämpfen weiter. Es ist jetzt so wie es ist. Julia hat zwei klasse Runden gehabt, war gestern auch schon toll im Gelände. Das war bilderbuchmäßig. Auch hier die letzte Runde unter Zeitdruck nochmal hat sie das Pferd richtig galoppieren lassen. Das hat sie wunderbar gemacht. Ein verdienter Sieg auf jeden Fall!"

14:39 Uhr: Es ist nicht zu fassen: Julia Krajewski bleibt null im Parcours und gewinnt trotz einer Sekunde zuviel mit Amande de B'Neville die Goldmedaille!!!!!!!

Der Endstand der Einzelwertung: 

1. Julia Krajewski mit Amande de B’Neville, 26,0 Minuspunke
2. Tom McEwen (GBR) mit Toledo de Kerser, 29,30
3. Andrew Hoy (AUS) mit Vassily de Lassos, 29,60
4. Kazuma Tomoto (JPN) mit Vinci de la Vigne, 31,90
5. Oliver Townend (GBR) mit Ballaghmor Class, 32,40
6. Christopher Six mit Totem des Brecey, 35,20
7. Nicolas Touzaint (FRA) mit Absolut Gold; 33,9
8. Michael Jung (GER) mit Chipmunk FRH, 36,10

Das Springen der Einzelwertung im Rückblick: 

14:36 Uhr:
Oliver Townend ist raus aus den Medaillen. Ein Fehler und die Nummer eins der Weltrangliste fällt zurück auf Platz fünf. 

14:35 Uhr Oh, ist das spannend. Der Brite Tom McEwen ist nur eine Sekunde über der Zeit, eine Medaille hat er damit sicher. 

14:32 Uhr: Das war Maßarbeit! Für den Australier Andrew Hoy rückt dank einer Nullrunde eine Medaille näher.    

14:30 Uhr: Laura Collett hat zwei Abwürfe an den letzten beiden Sprüngen. Auch der Franzose Christopher Six beendete seine Olympia-Premiere mit Totem de Brecey mit einem Abwurf. Tomoto bleibt vorne. 

14:26 Uhr: Jubel im Stadion für Kazuma Tomoto mit Vinci de la Vigne! Der Japaner hat nur 0,4 Zeitstrafpunkte. 

14:23 Uhr: Schade, das sah souverän aus  - aber trotzdem ein Abwurf am Aussprung der Zweifachen für Michael Jung mit Chipmunk FRH. Damit hinter Touzaint.

14:21 Uhr: Jonelle Price aus Neuseeland bekommt 9,2 Strafpunkte dazu. 

14:18 Uhr: Gleich Daumen drücken für Michael Jung.Vorab aber der Franzose Nicolas Touzaint, der die erste Nullrunde hinlegt. 

14:15 Uhr: Schon wieder ein Wechsel. Shane Rose aus Australien hat zwar auch einen Abwurf, bleibt aber vorne. Auch vor seinem Landsmann Kevin MacNab, der drei Abwürfe kassiert. 

14.13 Uhr: Der frisch gebackene Mannschaftsbronzemedaillengewinner Karim Laghough kommt völlig unpassend in die zweifache Kombination und nahezu aus den Stabd wieder heraus. Trotzdem übernimmt er vorerst die Führung. . 

14:10 Uhr: Wir warten immer noch immer auf eine Nullrunde. Auch Boyd Martin mit dem Trakehner Windfall-Sohn Tsetserleg TSF und Melody Johner für die Schweiz gelingt dies nicht. Der Ire Austin O*Connor führt noch mit 46,0 Minuspunkten.

14:06 Uhr: Pech für Tim Price. Er sammelt 21,6 Strafpunkte und fällt damit weit zurück. Mal sehen, ob seine Frau Jonelle es später besser macht. 

14:04 Uhr: Der Erste, der es in die Zeit schafft, ist der Ire Austin O'Connort, der eigentlich als Reservist nach Tolio gereist war. MIt seinem Schimmel Colorado Blue hat er allerding einen Abwurf. Acht Strafpunkte kassiert auch die österreichische Einzelreiterin Lea Siegl mit DSP Fighting Line, einer davon ausgerechnet am letzten Sprung.  

14:00 Uhr: Noch kein fehlerfreier Ritt bislang nach den ersten fünf Startern. Im Moment führt Susanne Bordone aus Italien. Ein Blick aufs Scoring zeigt, wie eng alles beieinander liegt. So trennen beispielsweise Michael Jung 3,2 Punkte von einem Medaillenrang.  

13:45 Uhr: Der erste Starter ist der 29-jährige Fouaad Mirza, zweifacher Silbermedaillengewinner der Asian Games 2018. Er beendet seine ersten Olympischen Spiele mit drei Abwürfen mit 59,2 Minuspunkten. Ein toller Erfolg für den Inder, der als Einzelreiter an den Start geht. 

Und so sieht der aktuelle Endstand in der Teamwertung aus: 

GBR,: 86,3AUS; 100,2FRA, 101,5GER, 114,2NZL, 116,4USA, 125,8

Das erste Springen im Rückblick:  

12:30 Uhr: „Da habe ich jetzt nicht mitgerechnet“, antwortet Julia Krajewski auf die Frage, wie sie es findet, dass sie gleich als letzte Starterin in den Parcours muss. „Aber das soll jetzt nicht blöd klingen, aber ich bin ja auch schon öfter mal als Letzte ins Springen geritten und ganz ehrlich, wenn ich Vorletzter oder Drittletzter wäre, wäre das Gefühl auch nicht anders, denn wenn es um eine Medaille geht, ist es einfach was total Besonderes. Am liebsten würde ich jetzt direkt reiten, denn man ist noch so gut im „Flow“ und meine Stute ist eben super gesprungen. Ich freue mich drauf, ich finde das richtig cool unter Flutlicht zu reiten, wir haben das zuhause einmal geübt, das hat richtig Spaß gemacht. Und ein Stück weit will ich es auch genießen. Wie oft reitet man schon in so einem Stadion unter Flutlicht? Und wie sagt man so schön: Die Pflicht ist geschafft und gleich kommt die Kür." 

Bundestrainer Hans Melzer zur Ausgangslage von Julia Krajewski: "Das Pferd von Julia ist in einer tollen Form, sie ist sehr selbstbewusst geritten, sie hat sich das auch verdient. Jetzt müssen sie noch eine Runde reiten, möglichst genauso, dann haben wir noch einen ganz tollen Erfolg." Um ihre Nerven macht sich der Bundestrainer keine Sorgen: "Sie hat Saumur gewonnen, da ging es um einen einzigen Zeitfehler. Das hat sie mit ihrem Dressurergebnis beendet. Sie kann Null reiten, sie weiß wie gut ihr Pferd ist. Sie hat jetzt den Tunnelblick und ist cool genug. Die hat ein Pferd, das sehr gut springt, da braucht sie sich nicht allzu viele Gedanken machen, da kann man mal einen Galoppsprung mehr oder weniger reiten. Ich bin da ganz zuversichtlich."

Zu den Chancen, die Michael Jung von Position acht noch hat, sagt Bundestrainer Hans Melzer: "Das müssen wir mal sehen, er ritt ja eine Traumrunde, Chipmunk sprang vom Feinsten. So sicher. Wir kennen das ja vom Springen, erst wenn der letzte durchs Ziel geritten ist, ist die Entscheidung gefallen. Zum Abschneiden der Mannschaft sagt Melzer: „Ja, das war Schadensbegrenzung, wir sind Vierter geworden. Da können wir auch mit zufrieden sein, wir haben uns im Springen wieder etwas nach vorne geritten.


Foto: AFP



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