Schockmoment: nach dem Andocken von "Nauka"

Schockmoment nach Andocken von russischem Labor-Modul "Nauka" an ISS

Russlands neues Labor-Modul "Nauka" hat nach dem Andocken an die Internationale Raumstation (ISS) für einen Schockmoment gesorgt. Nachdem das Modul am Donnerstag zunächst wie geplant an der ISS angedockt hatte, zündeten seine Triebwerke ungeplant und verschoben die gesamte Raumstation aus ihrer Flugbahn, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitteilte. Nach einer "ziemlich aufregenden Stunde" brachte die ISS-Besatzung die Raumstation demnach aber wieder auf ihre reguläre Position.

Der Antrieb des Moduls habe einige Stunden nach der Ankopplung "unbeabsichtigt und unerwartet" gezündet und die Fluglage der ISS um 45 Grad geändert, teilte die Nasa im Internetdienst Twitter mit. Die Besatzung der ISS habe daraufhin die Triebwerke des russischen Teils der Station gezündet, um gegenzusteuern. Inzwischen sei das Problem behoben, und alle Systeme funktionierten normal. 

Eine Gefahr für die Raumfahrer bestand laut Nasa nicht. Die Raumfahrtbehörde teilte aber gegenüber Journalisten mit, dass sie vorsorglich alles für eine Evakuierung der ISS vorbereitet habe.  

Als Konsequenz aus dem Zwischenfall verschob die Nasa den für Freitag geplanten unbemannten Testflug eines "Starliner"-Raumschiffs des Unternehmens Boeing zur ISS, da eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet wurde. Frühester Starttermin sei nun der kommende Dienstag, teilte die Behörde mit.

"Nauka" hatte zunächst wie geplant an der ISS angedockt. "Es gibt Kontakt!!!", jubelte auf Twitter Dmitri Rogosin, der Leiter der russischen Weltraumbehörde Roskosmos. Allerdings waren bereits während der achttägigen Reise zur ISS Probleme aufgetreten. "Wir werden nicht lügen. In den ersten drei Tagen mussten wir uns Sorgen machen", sagte Rogosin der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Es wird nun mehrere Monate und mehrere Weltraumspaziergänge erfordern, um das Modul vollständig in die Raumstation zu integrieren. "Nauka" war in der vergangenen Woche vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan aus mit einer russischen Proton-Rakete gestartet. Das neue Modul dient hauptsächlich der Forschung und der Lagerung von Laborausrüstung. 

Es wird aber auch das Leben der Menschen an Bord der ISS etwas komfortabler machen. Für den russischen Teil der Raumstation schafft "Nauka" Platz für Wasser, Fracht und Sauerstoffgeräte zur Regeneration. An Bord befindet sich auch der Roboterarm ERA der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), der als erster Roboterarm auch den russischen Teil der ISS erreichen kann. 

Das 20 Tonnen schwere "Nauka"-Modul sollte ursprünglich bereits 2007 zu der Raumstation gebracht werden, der Start wurde aber immer wieder verschoben. "Nauka" ersetzt das "Pirs"-Modul, das 20 Jahre im Einsatz war. "Pirs" wurde Anfang der Woche von der ISS abgekoppelt und verglühte anschließend in der Erdatmosphäre, seine Überreste fielen in den Pazifischen Ozean.

ans/dja



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