Biobasierte Schaumstoffe aus Agrarresten

Im EU-Projekt BIOMAT arbeiten Forschende aus acht EU-Staaten, darunter Deutschland, an nachhaltigen Schaum- und Verbundwerkstoffen, die zu mehr als der Hälfte aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen.

Im Haushaltsschwamm, in Matratzen, Autositzen oder Dämmwänden: Schaumstoffe, ob hart oder weich, sind aus dem Alltag kaum wegzudenken. Doch die Herstellung des erdölbasierten Werkstoffes ist wenig umweltfreundlich. Forschende der Hochschule Kaiserslautern wollen das ändern. Gemeinsam mit Partnern aus sieben Ländern will das Team um den Polymerchemiker Sergiy Grishchuk Schaum- und Verbundwerkstoffe nachhaltiger machen. In dem von der EU geförderten Verbundprojekt BIOMAT arbeiten insgesamt 26 Partner aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Israel, Italien, Lettland, Portugal und Spanien zusammen.

Nanofüllstoff aus Agrarreststoffen

Ziel des EU-Projektes ist es, den Weg hin zu einer nachhaltigen europäischen Bioökonomie zu beschleunigen. Dafür sollen nanobasierte Schaum- und Verbundwerkstoffe für Gebäude, Bauwesen, Automobil sowie Möbel und Bettwaren entwickelt werden, die mindestens zur Hälfte aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Außerdem soll der Treibhausgasausstoß bei der Herstellung des Werkstoffes um 30 bis 50% gesenkt werden. Das Vorhaben BIOMAT wird im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizon 2020“ von der Europäischen Union finanziert. Die Arbeit der Forschenden am Campus Pirmasens der Hochschule Kaiserslautern wird in den kommenden vier Jahren allein mit insgesamt 1,3 Mio. Euro unterstützt.

Polyurethane mit höherem Bio-Anteil

Die Forschenden setzen dabei auf Nanofüllstoffe aus landwirtschaftlichen Abfallstoffen wie Reisspelzen, die gleichzeitig Materialeigenschaften wie die Haltbarkeit verbessern sollen. Ein Team vom Fachbereich Angewandte Logistik- und Polymerwissenschaften wird hierbei seine Erfahrung aus der Forschung zur Hybridisierung von pflanzlichen Naturfasern mit Hochleistungs-Naturfasern einbringen. Die Forschenden sind überzeugt, dass durch die Kombination von Pflanzenfasern wie Flachs, Hanf und Kenaf mit anorganischen Hochleistungs-Naturfasern aus Basalt die Materialeigenschaften verbessert werden können, ohne dabei den Anteil an nachwachsenden Rohstoffen zu verringern. Ein anderes Team will Polyurethane durch einen höheren Anteil nachwachsender Rohstoffe umweltfreundlicher machen und die Materialeigenschaften durch Nanofüllstoffe verbessern.

Servicestelle für biobasierte Weichschaumstoffe

Im Rahmen des EU-Projektes BIOMAT soll am Hochschul-Campus Pirmasens zugleich eine Service-Stelle für die Entwicklung von neuen biobasierten Weichschaumstoffen für Matratzen und Polstermöbel eingerichtet werden. Zudem ist der Aufbau einer speziellen Verarbeitungsanlage zur Entwicklung neuer Schaumstoff-Formulierungen sowie zum Testen neuer Biopolyole und Additive geplant.

Bioökonomie / bb

Foto: HS Kaiserslautern. Polyurethane kommen in vielen alltäglichen Anwendungen aufgrund ihrer hervorragenden Materialeigenschaften vor, BIOMAT hat als Ziel diese nachhaltig herzustellen



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