Yoga für Brust-Krebspatient*innen

Seit zwei Jahren bietet das Clemenshospital Yogakurse für, an Brustkrebs erkrankte Patient*innen an. Was es damit auf sich hat und ...

... welche therapeutischen Ziele mit diesen Kursen für Geist und Körper verfolgt und erreicht werden, hat uns Frau Dr. Kleine-Zander bei einem Besuch in der Redaktion erzählt.

Die Yogalehrerin und Fachärztin für Anästhesie Frau Dr. Renate Kleine-Zander hat neben ihrer langjährigen klinisch therapeutischen Erfahrung umfassende Kenntnisse in der ambulanten Schmerztherapie. Ein Background, der sie vor zwei Jahren zur Mit-Initiatorin und Leiterin der Yogakurse am Clemenshospital machte. "Es war eher eine Zusammenarbeit zwischen den richtigen Menschen aus unseren Abteilungen Gynäkologie, Fundraising und mir zur richtigen Zeit, am richtigen Ort" lacht Kleine-Zander. "Und im Zusammenspiel mit der Veröffentlichung von Studien und ähnlichen Projekten an anderen Häusern war es letztlich die logische Konsequenz des Handelns im Sinne unserer Patient*innen"


Im Sinne der Teilnehmerinnen (wir verzichten an dieser Stelle auf die Gender-Schreibweise, da es sich zurzeit ausschließlich um Patientinnen handelt, obwohl auch Männer - allerdings selten - an Brustkrebs erkranken können) ist, wie wir nun erfahren, die vielfache Wirkweise des Yogas auf Körper und Geist. "Natürlich ist Yoga hilfreich für die rein körperliche Rekonvaleszenz." erklärt Dr. Renate Kleine-Zander. "Es geht zum einen um die allgemeine körperliche Kräftigung nach einer Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie. Zum anderen vermindert Yoga  die Verklebung von Narbengewebe. Darüber hinaus geht es um die wichtige Dehnung der Faszien und den Erhalt bzw. die Verbesserung der Muskel- und Gelenkbeweglichkeit. Ebenso wichtig für eine ganzheitliche Gesundung ist jedoch auch die psychische Ebene. Und wie so oft im Leben, zahlt das eine in das andere ein. Entspannung im Kopf funktioniert besser während und nach  körperlicher Spannung. Verändern wir die äußere Haltung durch körperliche Übungen, verändert sich auch die innere Haltung. Viele Frauen gehen aus Angst vor Schmerzen in eine so genannte Schonhaltung. Nach einer Brustamputation ist es oft auch der Versuch, einen vermeintlichen Makel, zu verbergen. Richten wir uns auf, machen uns  gerade, können auch  Geist und Seele wieder wachsen.


Dass diese äußere und innere Wandlung im geschützten Raum einer Schicksalsgemeinschaft leichter stattfinden kann, ist nachvollziehbar. Hier zählt nicht die Leistung, nicht die Konkurrenz. Hier sind die Frauen miteinander verbunden. Wer jetzt allerdings glaubt, dass sich die Gespräche der Teilnehmerinnen ausschließlich um Krankheit, Therapie und Schmerzen drehen, täuscht sich gewaltig. "Es wird gekichert und gelacht, wie immer, wenn Frauen unter sich sind. "Mir begegnet in jedem Kurs eine unfassbare Frauenpower, eine enorme Kraft und ein starker Wille und viel Humor" so Kleine-Zander.


Informiert über die Möglichkeit der Teilnahme am Yoga-Kurs werden die Patientinnen im Laufe ihrer stationären Behandlung im Clemenshospital. Aber auch die Selbsthilfegruppe hilft bei der Aufklärung und Akquise. "Um jeder Patientin in ihrem Stadium der Krankheit, der Therapie und des Alters individuell gerecht zu werden, ist eine enge Kommunikation mit der Gynäkologie zwingend notwendig" erklärt Kleine Zander. "Das funktioniert ganz wunderbar. Und ohne ein, von mir durchgeführtes, ausführliches Anamnese-Gespräch beginnt niemand mit dem Kurs."


Bedauerlicherweise wird der Kurs seitens der Krankenkassen nicht unterstützt, da es sich nicht um Prävention, sondern um einen Teilbereich innerhalb der Therapie handelt. "Glücklicherweise zahlen die Alexianer mein Gehalt als Yogalehrerin und wir konnten zum Start der Kurse vor zwei Jahren, mit AVON und Dermasence zwei tolle, großzügige Sponsoren gewinnen, die uns monetär, aber auch mit Equipment bis heute unterstützen. So sind wir in der Lage, den - 10 Termine umfassenden - ersten Kurs für die Teilnehmerinnen kostenfrei anzubieten. Wer nach dem ersten Kurs weitermachen möchte, zahlt einen Beitrag von 10,00 Euro pro Kursstunde"


Wir als Redaktion bedanken uns bei Frau Dr. Kleine-Zander nicht nur für ein informatives, sondern vor allen Dingen für ein herzliches und offenes Gespräch. Wir waren und sind beeindruckt und begeistert von ihrer Begeisterung und ihrem Engagement!


Wer mehr zum Thema erfahren möchte, dem empfehlen wir das Buch von Claudia Mainau: Yoga Zurück ins Leben  Wie Yoga bei Krebs helfen kann, Springer Verlag, alternativ: von Evelyn Horsch-Ihle: Yoga für Krebspatienten aus dem Vanova-Verlag als Taschenbuch.


Wer sich konkret über die Kurse im Clemenshospital informieren möchte, wendet sich direkt an: i.gabriel@alexianer.de oder telefonisch bei Frau Gabriel: 0251- 976 - 2551



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