Raus aus dem Elfenbeinturm

Um Deutschland als Hightech-Standort zu fördern und die Forschung im Bereich der Quantentechnologie voranzutreiben, entsteht in Hannover ein neues Institut des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Dieses soll von Beginn an mit Start-ups kooperieren und die Nähe zur Öffentlichkeit suchen.

Quantentechnologie klingt futuristisch und ist doch aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Ob sichere Kommunikation oder Navigationssysteme - zahlreiche Anwendungen beruhen bereits heute auf diesem florierenden Gebiet der Ingenieurswissenschaften. Immer mehr Satelliten sind mit sogenannten quantenoptischen Technologien ausgestattet und tragen zum Beispiel Atomuhren, welche die Zeit, die ein Signal von einem Ort zum nächsten braucht, genauestens bestimmen.

Um solche Geräte in Deutschland weiterzuentwickeln, investieren der Bund und das Land Niedersachsen nun in die Gründung eines weiteren Instituts des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Quantentechnologie mit dem Zweck der Erdbeobachtung sei der Punkt, an dem die Raumfahrt an die Gesellschaft anstoße, betont Björn Thümler, niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur. Vom Weltraum aus lassen sich Veränderungen der Methankonzentration bestimmen sowie schmelzende Polkappen und anschwellende Flüsse verfolgen - Beobachtungen, ohne die es Fridays for future nicht gäbe. So zumindest Thomas Jarzombek, Koordinator der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt, im Rahmen eines Pressegesprächs am Montag (31.05.).

Dort haben Vertreter aus Politik und Wissenschaft das in Hannover geplante Institut für Satellitengeodäsie und Inertialsensorik präsentiert. 120 Mitarbeiter, 50 von ihnen permanent angestellt, werden an dem neuen Standort an quantenoptischen Technologien forschen. Zusätzlich soll es angehenden Wissenschaftlern möglich sein, ihre Master- bzw. Doktorarbeit am Institut zu schreiben. 

DLR

Der Bau soll zeitnah beginnen - genauere Angaben wollten die Beteiligten nicht machen - und in fünf bis maximal sieben Jahre beendet sein. Die jährlichen Betriebskosten von etwa 10 Millionen Euro werden von Bund und Land getragen. Allen Beteiligten liegt allerdings am Herzen, dass das Institut auf Dauer nicht ausschließlich vom Staat finanziert wird. Von Beginn an sollen Unternehmen, insbesondere Start-Ups, mit eingebunden werden und sich mit eigenem Risiko beteiligen. Als Teil des Forschungsverbunds Quantum Valley Lower Saxony soll das neue DLR-Institut Unternehmen anziehen und einen attraktiven Technologiestandort aufbauen.

Dass sich gerade China im Bereich Quantentechnologie engagiert und Europa nicht mehr als globaler Vorreiter gilt, ist Jarzombek zufolge kein Geheimnis. Demnach sei es wichtig, im Wettbewerb wieder stärker mitzumischen und eine größere internationale Sichtbarkeit zu erlangen. Gründer und Förderer sind sich einig: Das schaffen sie nur, indem sich die Wissenschaft aus dem metaphorischen Elfenbeinturm wagt, frühzeitig mit Unternehmen kooperiert und dies auch so an die Öffentlichkeit kommuniziert.

Bannerbild: DLR. System Erde - Symbolbild.

Foto im Text: DLR. Pressegespräch zum neuen DLR-Institut für Satellitengeodäsie und Inertialsensorik. 

Text: Meret Laser




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