Postcorona... oder die Welt als Handtasche.

Der postapokalyptische Versuch einer Wiederherstellung von Gegenseitigkeit, im Bezug auf die Münsteraner-Prämetropole - Tränen, Wut, Kabale und Liebe, nach dem schlimmsten Jahr ever und noch eine ganze Menge mehr!!!

Der postapokalyptische Versuch einer Wiederherstellung von Gegenseitigkeit, im Bezug auf die Münsteraner-Prämetropole - Tränen, Wut, Kabale und Liebe, nach dem schlimmsten Jahr ever und noch eine ganze Menge mehr!!!



Das Ende ist Nah! Es ist nicht mehr weit. Nach der längsten, kollektiven Durststrecke der Postmoderne, bezieht sich die allgemeine Erwartungshaltung - des Hier und Jetzt - auf ein kühles Blondes, vor der Terrasse eines mittelguten Restaurants der Innenstadt und wirklich jeder, absolut jeder ist herzlich eingeladen: COE, WAF, LÜN, DO, HH, MÜ, WTF...

Haben sich die meisten bisherigen Enden unseres kurzen Lebens, als eigentlicher Brückenschlag hinein in eine erwartete, oder gestaltbare Zukunft entpuppt, kommt dieses Ende etwas Anders um die Ecke. Mit diesem Ende, steht es nicht wie mit dem Ende der Schule, dem Ende der Uni oder dem Ende einer Beziehung. Nicht doch. An diesem Ende, steht für manche die Ausweglosigkeit. Manche werden Zeiten erwarten, an denen sie an die Vergangenheit denken und traurig werden, Zeiten an denen sie an die Zukunft denken und Angst bekommen.


Schau mal, diese Trennung gab es bereits, denn es ist nichts weiter, als das Ende eines Putschversuchs. Der Prügelknabe „Natur“ hat es gewagt sich aufzulehnen und so können wir diesen, bereits für überwunden erklärten und gebändigten, stetigen Zweifler an unseren Errungenschaften, endgültig zurück in seine Schranken weisen. Die aufgereihte Natur, die uns sonst in Parks umschließt, ist zu einer Natur mutiert, welche uns gefühlte Unzeiten in sich einschloss. Wir dachten wir hätten es geschafft (die Sache mit der Korntrolle der Natur), doch dann stellte sich Heraus, dass wir nicht mehr, nicht weniger waren, als ein Blinder. Ein Blinder, der wissentlich auf eine Klippe zumarschierte, um beflissentlich in sich hinein zu nuscheln: „Lief noch ganz gut bisher, lief noch ganz gut bisher, lief noch ganz gut bisher“.

Kennzeichnend für die gänzliche Herrschaft des Menschen über die Natur, - welche oftmals in das desaströse Missverständnis der Eradikation selbiger mündete - ist auch immer das Sterben des Mythos, der Erzählung, der überzeitlichen Genealogie, dem Bedürfnis nach Heiligkeit. So ist es kein allzu großes Wunder, dass sich in Krisenzeiten postmoderne Narrative, in postmoderne Mythen umformuliert sehen und sich Verschwörungstheorien verbreiten wie trockenes Brennholz, das von Tür zu Tür getragen wird. Es sind nicht ähnliche, sondern stets dieselben Mythen des Hasses.

Wieso? Na, weil es schon immer so war. Antisemitismus, Antiislamische-Diskriminierung, Antifeminismus, Homophobie usw. usf. sind keine voneinander isolierten Phänomene, da sie sogar von Seiten der Aggressoren, undifferenziert betrachtet werden. Das Böse tritt halt häufig als dämlich auf... doch das macht es ja gerade so gefährlich. Ich habe während des Lockdowns gelernt, dass es auf dieser Welt Leute gibt, die geboren werden und weder jüdisch, noch muslimisch, weder weiblich, noch homosexuell sind und ihr Leben damit ausfüllen, einen jeden von ihnen in seinen Rechten zu beschneiden. Vielleicht aus Spaß an der Sache, vielleicht weil wir auf dem Arbeitsmarkt alle Konkurrenten sind, vielleicht weil uns etwas verloren ging, was wir einst unser Eigen nannten, etwas, an das wir uns noch erinnern können, etwas das gut war, etwas das schön war. Vielleicht erzeugt diese Gesellschaft aber auch Menschen, denen ein Leben lang das Gefühl gegeben wurde, nicht gewollt zu sein? Vielleicht begeben sie sich quasi unbewusst in die Position des geächteten, nur um sich in ihrer Lebensrealität bestätigt zu sehen. Keiner will mich, dann hasse ich, weiste?

Nun ja, geht halt trotzdem gar nicht klar und wenn du hasst, dann tust du mir leider nicht leid, doch bedaure ich dich um den Menschen, der du für dich, wie für mich, hättest sein können!

Und hier beginnt meine eigentliche Problematik. Nach all dem ****, den wir uns bisher so angetan haben, nach all dem Gezeter und Gezanke, nach all der Entfremdung, fuhr ich letzte Woche mit meinem Rad zur Arbeit und musste zurück in die Spülküche. Als mir die aufgebaute Bestuhlung, unter unifarbenen Sitzkissen, in die Augen sprang, war ich einer der wenigen die echt nicht Happy waren. Für mich war es kein guter Tag. Ich musste zurück in die Spülküche. Als Tellerwäscher zu arbeiten bedeutet: „Geschwindigkeit bei dem stetigen Balanceakt, nicht die Nerven zerklirren zu lassen“, wie Sarjasvedamursare - ein guter Mann, ein fleißiger Mann, ein Mann, der mit mir in der Spülküche schwimmt - immer sagt.

Eine der Kellnerinnen wurde auf ihre „ausladende Oberweite“ angesprochen. Einer der Gäste verteilte alles was er in sich hatte, reflexartig über das Mise en Place und ein Weiterer orderte im Imperativ das Paprikaschnitzel, welches er - nicht ohne den lauthalsigen Zusatzden eines; „das wird man ja wohl noch sagen dürfen!!“-, beim altem Namen nannte. In meinem Kopf ratterte jene Symphonie, in Zeitlupe über mich hinweg und ich summte „what a wonderful world“ vor mich her, um besser klar zu kommen. Das Problem ist also, um es ohne Umwege zu sagen, die Angst, dass alles beim Alten bleibt. Wieso wächst diese Befürchtung in mir? Na, weil das Verhältnis zum Gegenstand, der kollektiven Ausblendung, der Tod selbst ist. Meine Befürchtung ist von jener Couleur, die den Tod wegzuwischen droht. Versteh mich bitte nicht falsch. Ich komme ganz gut klar.

Und doch; zum ersten Male überwindet die globalisierte Welt etwas im kollektiven - okay, nicht ganz in einem kollektiven Miteinander aber zumindest können wir Augenzeuge eines innereuropäischen, fluorierenden Gegeneinanders sein, wenn man denn drauf Bock hat, die Dinge so zu sehen – und noch immer haben wir keinen Sinn für das Passierte parat. Wir sehen schwimmende Flüchtlinge, über die Brandung eines atemberaubenden Sonnenuntergangs, um ihr leben Kämpfen. Wir sehen prügelnde Polizisten, ausgerüstet wie Soldaten, an der spanischen Küste und wir sehen, wie das Purpur des Abendrots auf ihrem polierten Brustpanzern opalisiert und anscheinend fühlen wir zur Primetime... echt wenig. Der Eid den die Postmoderne mir schwor, war eine ständige Annullierung der Gegenwart, immer neue News, Burger, Fleisch, Fleischmagazine und andere Fleischmagazine, doch offensichtlich, wird immer nur das uns substanziell und existenziell Ausfüllbare genullt.

An dieser Stelle möchte ich dir nun sagen: Keine Sorge! Damit hier nicht nur gemeckert wird; hier der Versuch eines Lösungsansatzes für fortgeschrittene Utopisten, mit nem ganz guten Drive, weist du:

Wenn du dich für den Hass entscheidest oder du denkst du seist besser, als irgendwer auf dieser Erde, dann denke ich, entgeht dir zumindest folgendes: Ich denke, dass es da meiner Meinung nach, eine gewisse Betrachtung in den Dingen gibt, die es uns ermöglicht – ganz nah am Sterben – zu lieben und geliebt zu werden. Als würde dich etwas feinstöffliches berühren und behauchen und in Gänze salben, gleich einem Strudel, durch dessen Sog du genau dort stehst, wo du gerade stehst und alles, wirklich alles hat zum ersten Mal, eine tiefe Bedeutung. War Trauer noch - noch vor kurzem noch – deine standfeste Position gegenüber dem Sterben, sind diese Tränen nun andere geworden. Es sind neu geweinte Tränen, sich in einem neuen Spektrum brechend, um dich bis hin zur Angefasstheit zu ergreifen, als würde deine Perzeption über den Horizont sich ausdehnen, um sich am anderen Ende der Welt selbst zu umarmen, weist du. Aber ohne den Tod, wird das nichts. Wenn man sich ernsthaft mit der Schönheit – oder besser noch, jener Schönheit auseinandersetzt, fällt einem ziemlich schnell auf, dass der Prozess der Auseinandersetzung, mit eben jenem Schönen, einen ziemlich intrinsischen Turn in Sachen Zielstrebigkeit aufweist, direkt ohne Umwege in dein Zentrum; Und du weist, – mit einer an Sicherheit grenzenden Gewissheit in der Verzweiflung, weist du, dass sich Schönheit eher mit dir auseinandersetzt, als du mit ihr. Insofern ist Schönheit immer auch Verzweiflung, denn wir Menschen neigen dazu, gerade vor dem Unausweichlichen zu verzweifeln. Schönheit ist immerzu unausweichlich, will ich meinen. Aber Vorsicht; verpacke dies bitte nicht in die gängige Kategorie von „etwas Schönem“, in der es keinerlei Platz für das Abstoßende, das Grässliche, das Böse oder das Hässliche zu geben scheint. Nicht dieses Hübsche, bitte! Die mögliche Wahrnehmung des Betrachteten wird erst Hässlich genannt, durch die Möglichkeit seiner Wahrnehmung - und insofern es als solches Wahrnehmbar ist, ist es im Allgemeinen echt schön, weist du. Alles was berührt, abstößt, verängstigt, alle ästhetische Wahrnehmung ist radikal von Schönheit... Hass nicht. Lass uns weiter auf, auf durch unsere Fehler stolpern, wieder aufstehen uns Verletzen und uns wieder zusammensammeln, gebrochen werden, um an den Ecken des Rund herab zu perlen, in die Lache der Fehler, all jener vor dir und all jener nach dir und jeder von ihnen hatte Angst und jeder von ihnen wird Angst haben. Hass nicht!  Das wirklich Nahegehende in dem Für-Uns an der Schönheit, ist vor allem jenes Phänomen des Beraubt-werdens. Der filigrane Schweif auf der Dunkelheit unserer Erinnerungen, in der das Erlebte immer zu starrer und starrer zu werden droht, ist zugleich die Entnahme jeglicher Gegenwehr gegen einen Kuss auf der Bank, damals mit Melli, oder wie Patrick und ich Feuer in einer alten Scheune legten. Bauer Klienmann betrachtete die Angelegenheit hingegen ziemlich entspannt. Er war Froh, dass das alte Ding endlich weg war und auf seinem Hof dürfe er Ohnehin anzünden was er wolle, da hat ihm keiner rein zu reden und unsere Eltern machten uns einen Haufen Ärger wegen der Sache und alles woran wir im Leben hängen wird zu guter Letzt, bis in den letzten Moment hinein, unweigerlich zur Erinnerung an etwas wirklich schönes, denke ich. Ich will dir damit sagen, dass Schönheit immer in die Vergangenheit zerbricht, denn den Moment zu schätzen, bedeutet nicht mehr oder weniger als ihn gut festzuhalten, ihn zu umarmen. Güte ist dafür ein probates Mittel, für das es sich echt lohnt aufgerieben zu werden, sich zu verbiegen, aber hat man einmal den Dreh mit der Güte raus, vermehrt es sich aus sich Selbst heraus, wie sich alles Gute aus sich selbst heraus vermehrt. Auf der Projektionsfläche des Miteinanders wirst du zur Projektion, der an dir sich manifestierenden Schönheit und du wirst fühlen was Gnade bedeutet, du wirst schmecken können wie sich ein Lachen anhört, du wirst Leben während du stirbst. Wir werden Zeiten haben, in denen wir Zeit haben und wir werden Zeiten haben, in denen uns die Zeit hat. 


Könnten wir der Schönheit habhaft werden, müssten wir gleich um auch der Zeit habhaft werden, doch Wäre sie die Empfindung dann nicht mehr wert. Wie das Leben ohne Ende über uns hinweg rollt und gelebt werden muss, ob man will oder nicht, ist dies keine Frage des Wollens, es ist eine Frage des Sinns. Was würde noch Sinn machen, wären wir unsterblich? Was wäre in der Unsterblichkeit noch Schön? Ich kann den Tod gebrochen durch das getrübte Prisma meiner Überzeugung, mit meinem Leben ausgezeichnet worden zu sein, – egal wie hart der ganze Kram, ab und an, auch ist – nicht anders anschauen, als dass das Leben eine Grund-bedingende Voraussetzung für den Tod bleibt. Deswegen – und aus noch mancherlei anderem Kram – denke ich, dass der Tod eine Art Auszeichnung für die noch Lebenden darstellt, denn was berührt einen schon mehr, als die Erinnerung daran, geliebt worden zu sein? Was schon hä?

Wenn ein Ganzer, liebgewonnener Mensch, in die Erinnerung bricht, dann ist diese Erinnerung zu tiefst lebendig, nicht wahr? Genau hier, genau an dieser Stelle, steht die Schönheit des Lebens für dich parat und nichts an ihr gehört dir, und nichts an ihr, ist für jemand anderen als für dich und nichts sind wir einander anderes, als Unser. Dass wir über die Grenze des Lebens zu lieben fähig sind, das nenne ich mal Lebendigkeit, alter! Sag nicht sie sind nicht mehr, wenn sie noch immer bei dir sind. Hör einfach auf dich zu wehren und Vertraue dem was du siehst, wenn du träumst. Hör auf dich zu wehren und Lebe einfach. Hört auf den Tod auszublenden, wenn ihr Leben wollt! Wir haben einander echt viel genommen wisst ihr? Aber lasst uns einander nicht den Tod nehmen! Nimmt uns nicht den Tod! Lasst uns aus dieser Zeit gelernt haben, dass ein Lächeln viel ausmachen kann, wenn eine Maske nicht mehr notwendig ist. Lasst uns zueinander netter sein, denn diese Erfahrung teilen wir uns alle. Wenn wir nach dieser Zeit eine Welt kreieren, die Nahtlos dort ansetzt wo wir aufgehört haben, wie können wir jemandem dann noch das Gefühl geben, dass seine Verwandten nicht umsonst gegangen sind? Glaub mir, es ist nicht für jeden einfach wieder mit der Arbeit zu beginnen. Eine Arbeit die sich stetig wiederholt. Arbeit die in den Füßen schmerzt. Arbeit wie ein Murmeltier.

Einzig für eine sinnlos gewordene Welt ist es notwendig, den Tod auszublenden und hat man erst einmal den Tod überwunden, oder ihn zur Zahl gemacht, muss sich eine zwangsläufige Wiederholung der Dinge einstellen. Der Sinn im Leben befindet sich in einem immanenten Zusammenhang mit der Schönheit im Leben. Je weniger Sinn, desto weniger Schönheit. Je weniger Schönheit, desto mehr Wiederholung, desto mehr zusammengeschusterte Musik, die auf Algorithmen basiert, desto mehr Teile von Filmen die es schon gab, desto mehr Filme, die es bereits als Film gibt und Filme deren Film neubearbeitet wurde und als neuer Film angepriesen werden, desto mehr Einsamkeit, desto weniger Erinnerungen! Die Kranken sind im Krankenhaus, die Alten sind im Heim, die Psychiatrie befindet sich im Wald, die Hauptschule auch und der Rest ist bei der Arbeit. Tod ist eine Zahl und wir schlachten keine Wale mehr, dafür steht auf meinem Eierkarton: Ab jetzt auch ohne Küken-schreddern.

Jede Simulation zeichnet sich durch mögliche Empathie-losigkeit aus d.h in einer Simulation tue ich Dinge, die ich sonst nicht tun würde, sein sie gut oder schlecht, sie sind einfach nicht echt. In der Simulation ist kein Sinn, enttarnt sich doch alles an Ihr, als Illusion. Genauso wenig wie die Illusion sich dazu eignet gelebt zu werden, da ihr Sinn inhärent abhanden ist, eignet sich ein Leben ohne Tod. Kein Tod, keine Liebe. Schau mal, in der Simulation bezahlst du für den Normalzustand. Du gehst an die Playsi und bezahlst keine Ahnung wie viel, für irgendetwas, dass es nicht gibt. Hier und Heute bezahle ich mehr für etwas, dass sich nicht am Küken-schreddern versündigt, ich bezahle mehr wenn es nicht mit Pestiziden zugeballert wurde und ich bezahle mehr je weniger Unterdrückung stattfand. Ich bezahle mehr, für mehr Menschlichkeit. Insofern Menschlichkeit nicht zu quantifizieren ist und liebe unzählbar bleibt, ist Schönheit noch dort wo keine Zahl mehr ist. Dort wo sich alles übersteigt. Garantiert nicht dort, wo man stirbt, weil man ärmer ist und länger lebt, weil man reicher ist! Wir unterdrücken uns gegenseitig, hinein in die Zone, in der die Wohnblocks grau und Kippen im Sandkasten hüte kleiner Männer sind, Mama. Wo Mama zwei Jobs hat und das nicht weil sie so erfolgreich ist. Wo Mama auf der Arbeit von Kunden eine schlechte Bewertung bekommen hat und Rudi, der Chef mit der Fahne, sie begrabscht. Je ärmer du bist, desto mehr Schönheit wurde dir genommen. Wir bestrafen uns mit Tristes, wenn wir versuchen uns im Kollektiv davon zu überzeugen, eine Welt der Erlösung zu erzeugen, in dem wir solange kaufen und verkaufen bis wir selbst zum Produkt werden, denn am Ende wirst du dich nicht fragen wie viel du Verdient hast, sondern wie viel du geliebt hast, wie viel du Wissen durftest von dieser Welt. Die Abstinenz von Sinn wird schleichend dazu führen, dass Arroganz zum Wert erhoben wird und an diesem Tage leben wir dann in einer Welt wie eine Handtasche, in einer wirklich, echt hübschen Welt.

Was ich sagen will, ist: Lächel einfach wenn du etwas bestellst!

Peace Out, One Love



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