Der gute Draht zum Amt

Egal ob Gastronomie oder Einzelhandel. In Zeiten der Pandemie läuft nichts ohne Genehmigung des Ordnungsamtes. Und manchmal wurde für den ein oder anderen im Laufe der Monate aus einem gestressten: "Da muss ich beim Ordnungsamt anrufen" ein "Ich frag mal meinen Freund vom Amt".

Es gibt unzählige Geschichten über innovative und kreative Ansätze von Unternehmern ihre Firma, ihr Geschäft durch die Krise zu bringen. Auch das Team der Ballettschule Sievert wollte sich dem Lockdown nicht kampflos unterordnen. Tanz auf Distanz - keine leichte Aufgabe.


Die Hoffnung als Bildungseinrichtung anerkannt zu werden, zerschlug sich bereits nach den ersten Telefonaten mit dem Ordnungsamt. Und dies obwohl die Ballettschule mit speziellen Förderklassen berufsvorbereitend unterrichtet, die tänzerische Ausbildung vielen Schüler*innen den Weg zur Aufnahme an renommierte Tanzakademien im In- und Ausland ebnet und vergleichbare Schulen in anderen Kreisen dieser Status zugesprochen wurde. "Wir sind Sport - und darüber hinaus nicht kontaktfrei" musste Brigitte, die Schulsekretärin, melden. Auch die Frage, ob Einzelunterricht möglich sei, wurde negativ entschieden. Während sich die Schulleitung Petra Wiegert und Svenja Gasche um die technische Ausstattung für den geplanten Zoom-Unterricht, sowie den Dreh und die Bereitstellung von Trainingsvideos auf der Website kümmerten, klingelte Brigitte fortan wöchentlich beim Ordnungsamt an. Denn durch den Dschungel von neuen Bestimmungen, Änderungen, Freigaben und Verboten konnte sie nur der freundliche Herr vom Ordnungsamt leiten. Geduldig erklärte er, was diese Woche geht - was genau erlaubt ist und was nicht. Monatelang jede Woche ein Telefonat. Und auch wenn auf die Nachfrage, ob auf einer Bühne im Hof der Schule gemeinsam trainiert werden dürfe, die frustrierenden Antwort lautete: "Im Prinzip schon, aber es darf nicht lauter als 50 Dezibel werden. Das entspricht einem leichten Regen oder einer ruhigen Ecke in der Wohnung..." konnte Brigitte dem Mann vom Amt nicht böse sein. "Denn der macht ja auch nur seinen Job."


Inzwischen läuft der komplette Stundenplan per Zoom. Alle Lehrer sind Vollzeit beschäftigt. Durch die Vernetzung mit anderen Schulen konnten einige Schüler*innen in München und sogar in der Schweiz mittrainieren. Als Dankeschön an die Eltern, die in der Krise so viel Durchhaltevermögen, Treue und Loyalität bewiesen haben, bietet die Schule diesen aktuell jeden Samstag eine Stunde Zoom-Unterricht für Anfänger wahlweise Klassisch, Jazz, Modern und Yoga an. Auch Brigitte ist mit der Organisation voll ausgelastet. Und dennoch: der wöchentliche Anruf beim Ordnungsamt ist Pflicht, aber nicht unbedingt Verpflichtung. Es hat sich ein fast freundschaftliches Verhältnis entwickelt. "Mein Freund vom Amt", nennt sie ihn nun, den Mann, der bei schlechten Nachrichten immer auch ein wenig mitleidet.


Die Überraschung für Eltern, Großeltern und Schülerinnen zu Schuljahresabschluss wird noch digital geplant, die Hoffnung auf Präsenz-Unterricht wächst jedoch mit jeder verabreichten Impfdosis.

Vor allem die Kinder freuen sich auf ein Wiedersehen

Brigitte freut sich schon mit der Schulleitung, den Dozent*innen, den Eltern und vor allem mit den Schüler*innen auf das erlösende Telefonat. Auf die drei kleinen Worte: "Ihr dürft wieder." 


Und eins ist sicher: Zur nächsten großen Vorstellung der Ballettschule gibt es für den neuen Freund Freikarten für die ganze Familie. Danke und man sieht sich!


Bannerfoto: Ballettschule Heidi Sievert

Foto Kinder: Peter Wattendorff





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