Zufluchtsort Lampedusa: mehr als 1000 Flüchtlinge gelandet

Die Route zwischen Nordafrika und Sizilien ist jedoch zugleich eine der gefährlichsten Flüchtlingsrouten. Seit Januar sind mehr als 8600 Menschen in Italien angekommen, 65 weitere in Malta. 359 Menschen starben nach Angaben der IOM.

Mehr als tausend Flüchtlinge haben am Sonntag mit Booten die Küste der italienischen Insel Lampedusa erreicht. Nach Angaben italienischer Nachrichtenagenturen waren an Bord eines Schiffes fast 400 Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, darunter 24 Frauen und sechs Kinder. Das Boot war rund 13 Kilometer vor der Insel entdeckt worden. An Bord eines weiteren Schiffes befanden sich 325 Menschen, während hunderte andere Flüchtlinge auf anderen, kleineren Booten die Insel erreichten.

Der Parteichef der rechtsradikalen Lega, Matteo Salvini, forderte ein Treffen mit Ministerpräsident Mario Draghi. "Angesichts von Millionen Italienern in Schwierigkeiten können wir nicht an tausende illegale Einwanderer denken", sagte Salvini. 

Der ehemalige Innenminister muss sich derzeit in Sizilien vor Gericht verantworten, weil er im Sommer 2019 dem italienischen Küstenwachenschiff "Gregoretti" mit 116 Flüchtlingen an Bord tagelang die Einfahrt in einen Hafen verweigert hatte. Er wird des Amtsmissbrauchs und der Freiheitsberaubung beschuldigt.

Derweil setzten die sizilianischen Justizbehörden Medienberichten zufolge erneut ein deutsches Rettungsschiff der Hilfsorganisation Sea-Watch fest. Bei einer Kontrolle der "Sea-Watch 4" seien zu viele Rettungswesten an Bord gefunden worden. Das Abwassersystem des Schiffes sei nicht für eine so hohe Anzahl von Geretteten ausgelegt, teilte die Behörde mit.

Aktivisten bezeichneten die Inspektion als Vorwand, um das Schiff festzusetzen. "Wir hoffen, dass die Behörden uns nicht an der Ausfahrt ins zentrale Mittelmeer hindern werden, mit absurden Anschuldigungen, an die wir uns bereits gewöhnen mussten", erklärte Sea-Watch Italien. 

Ein weiteres Schiff der Organisation, die "Sea-Watch 3", war im März von der italienischen Küstenwache im sizilianischen Hafen Augusta beschlagnahmt worden. Auch in diesem Fall berief sich die Behörde auf Verstöße gegen Sicherheitsbestimmungen.

Die Hilfsorganisation Alarm Phone forderte unterdessen Hilfe für drei Boote in maltesischen Gewässern. "Eine Rettungsaktion könnte rund 230 Menschen vor der Gefahr des Ertrinkens retten", erklärte sie. 

Der Seeweg über das Mittelmeer gilt als eine der wichtigsten Routen für Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Nach einer Zählung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind fast 530.000 Menschen seit Anfang 2015 auf diesem Weg nach Italien gelangt, darunter etwa 6000 seit Jahresbeginn. 

ck/bfi







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