Krankenhausseelsorge in der Pandemie

Leere Flure, keine Warteschlangen vor den Aufzügen, dafür Schutzausrüstung in den Patientenzimmern: In der neuen Folge von „kannste glauben“, dem Podcast des Bistums Münster, berichtet Dr. Leo Wittenbecher von seiner Arbeit als Krankenhausseelsorger in der Corona-Pandemie.

Münster (pbm/acl) - Dr. Leo Wittenbecher ist der leitende Klinikpfarrer im Universitätsklinikum Münster und trifft dort auf Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte, die sich in großartiger Art und Weise für die Patientinnen und Patienten einsetzen: „Ich bin sehr beeindruckt, was die Kolleginnen und Kollegen leisten, auch unter diesen Bedingungen. Aber nicht alles streift man mit dem Kittel ab, manches wird mit nach Hause genommen“, sagt er.

In der 20-minütigen Podcast-Folge betont der Referent für den Bereich der Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger im Bischöflichen Generalvikariat, dass ihn die Pandemie nicht in eine Hoffnungslosigkeit stürze, denn auch vorher schon seien Menschen erkrankt und gestorben. Hoffnung geben ihm viele positive Erfahrungen im Mitmenschlichen, vor allem „der Zusammenhalt von Menschen in einer Zeit, in der eigentlich der Egoismus Hochkonjunktur hat, in der sich eine Gesellschaft am Empören erfreut und in der Corona-Leugner die Realität nicht zur Kenntnis nehmen wollen“.

Eine große Änderung seiner Arbeit bringe das allgemeine Besuchsverbot mit sich. Nur in Ausnahmesituationen dürfen Patientinnen und Patienten Besuch von Angehörigen empfangen. „Das ist für viele bitter. Ein einfaches Gespräch mit uns Seelsorgenden, das gar nicht immer so sehr in die Tiefe gehen muss, kann schon eine willkommene Abwechslung sein“, berichtet Wittenbecher. In bestimmten Situationen bedient sich der Krankenhausseelsorger der technischen Kommunikation und lässt Angehörige über das Telefon teilhaben, wenn er zum Beispiel einem Sterbenden den Segen spendet. „Dann muss aber auch eine gewisse Betreuung der Angehörigen zu Hause gewährleistet sein“, sagt er.

Wittenbecher hat festgestellt, dass in der Corona-Pandemie mehr Menschen die Frage in den Blick nehmen, was ihr Leben tatsächlich trägt. „Als Kirche, als Seelsorgerinnen und Seelsorger können wir dabei einen wichtigen Beitrag leisten, weil wir vermitteln können, dass wir gemeinsam auf der Suche sind.“ Aus seiner Sicht kommt es deshalb vor allem auf Begegnung an. „Das wird zwar gerade erschwert, aber trotzdem machen wir die Erfahrung, dass dort, wo es eine Form von Begegnung gibt, Menschen sich angesprochen fühlen und sich öffnen für die Botschaft, dass der Tod und das Leid nicht das Ende sind.“

Die Folgen des Bistums-Podcasts „kannste glauben“ sind über www.kannste-glauben.de abrufbar. Zudem können alle Episoden der Reihe bei Spotify, podcaster.de, Deezer, Google Play und Itunes kostenfrei angehört und abonniert werden.

Bistum Münster, Ann-Christin Ladermann

Foto: privat. Pfarrer Dr. Leo Wittenbecher ist leitender Klinikpfarrer im Universitätsklinikum Münster. 


 


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