Indiens Gesundheitssystem kollabiert

Landesweit stieg die Zahl der Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden am Sonntag auf den neuen Höchstwert von fast 350.000.

Die Behörden von Indiens Hauptstadt Neu Delhi haben angesichts massiv steigender Corona-Fallzahlen den Lockdown verlängert. Der Lockdown bleibe eine weitere Woche in Kraft, erklärte Neu Delhis Regierungschef Arvind Kejriwal am Sonntag in einer Videobotschaft. "Die Verwüstung durch das Coronavirus geht weiter, und es gibt keine Verschnaufpause."

Das seit Jahrzehnten unterfinanzierte Gesundheitssystem Indiens droht unter dem enormen Anstieg der Fälle zu kollabieren. Zahlreiche Krankenhäuser meldeten einen Mangel an medizinischem Sauerstoff und Medikamenten. Vor den Kliniken in den Großstädten bildeten sich lange Schlangen von Erkrankten und deren Angehörigen.

Derweil wurde in den Online-Netzwerken die Kritik an der Zentralregierung lauter. Am Sonntag bestätigte der Kurzbotschaftendienst Twitter, dass er dutzende Mitteilungen, die sich kritisch mit der Corona-Krise auseinandergesetzt hatten, auf Anfrage der Regierung wegen rechtlicher Bedenken blockiert habe.

Einige Tweets enthielten demnach Äußerungen zu dem überforderten Gesundheitssystem. Da der Inhalt nicht gegen die Regeln der Plattform verstoße, sei er nicht aus dem Dienst entfernt worden, sondern nur für Nutzer in Indien nicht mehr aufrufbar.

Die Bundesregierung hatte am Samstag angekündigt, den Reiseverkehr mit Indien deutlich einzuschränken. Einreisen aus dem Land nach Deutschland würden wegen der dort herrschenden Virus-Mutation und der rasant steigenden Corona-Zahlen weitgehend gestoppt, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Allein in der vergangenen Woche wurden in Indien mehr als zwei Millionen Corona-Fälle registriert - ein Anstieg von 58 Prozent im Vergleich zur Vorwoche, wie aus einer Berechnung der Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Daten der Gesundheitsbehörden hervorgeht. Auch die Finanzmetropole Mumbai versucht, mit nächtlichen Ausgangssperren und weiteren Einschränkungen die Ausbreitung des Virus einzudämmen. 

gap/noe


© Agence France-Presse



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