Notfallzulassung von J&J-Impfstoff verfrüht?

Wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen verschiebt der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson die Auslieferung seines Corona-Impfstoffs in Europa.

 "Wir haben die Entscheidung getroffen, die Markteinführung unseres Impfstoffs in Europa proaktiv aufzuschieben", erklärte der Konzern am Dienstag. Zuvor hatten die Behörden in den USA eine Pause bei den Impfungen mit dem J&J-Vakzin empfohlen, nachdem vereinzelte Fälle von seltenen Blutgerinnseln gemeldet worden waren.

Die Arzneimittelbehörde FDA und die Gesundheitsbehörde CDC verwiesen auf eine laufende Untersuchung zu sechs Fällen von Blutgerinnseln in den USA. Bis zum Abschluss der Untersuchung werde "vorsichtshalber" eine "Pause" bei den Impfungen empfohlen.

Der Corona-Koordinator des Weißen Hauses, Jeff Zients, erklärte in der Folge, dies werde keine "bedeutsamen Auswirkungen auf unseren Impfplan" haben. Bislang mache das Vakzin von Johnson & Johnson weniger als fünf Prozent der verabreichten Impfdosen aus. Außerdem habe die Regierung ausreichend Impfdosen der Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna gesichert, um nahezu die gesamte US-Bevölkerung zu impfen.

Der Impfstoff von Johnson & Johnson hatte in den USA Ende Februar eine Notfallzulassung erhalten. Mitte März wurde das Vakzin dann auch in der EU zugelassen. Anders als in den USA ist der Impfstoff in der EU aber noch nicht im Einsatz. Die EU-Kommission war zuletzt davon ausgegangen, dass der Impfstoff ab dem kommenden Montag an die EU geliefert wird.

Vergangene Woche berichtete die EU-Arzneimittelbehörde EMA dann von vier Thrombosefällen nach J&J-Impfungen, von denen einer tödlich verlaufen war. In der Empfehlung von FDA und CDC war nun von sechs Fällen die Rede.

fs/mid


© Agence France-Presse


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