Die Pandemie bringt neue Wörter hervor

Seit Beginn der Corona-Pandemie untersuchen Wissenschaftler, wie sich der Wortschatz mit der Krise verändert. Sie sammeln permanent neue Begriffe für ihre Corona-Wortschatzliste - und kommen aktuell auf 1351.

Annette Klosa-Kückelhaus ist am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim für das Projekt "Neuer Wortschatz" verantwortlich. Sie sagte der "Heilbronner Stimme" zum Brücken-Lockdown: "Ein schönes Beispiel für eine Neuschöpfung durch Politiker!" Sie fügte hinzu: "Das Wort ist ein guter Kandidat für unsere Liste, wenn auch davon auszugehen ist, dass es nach der Corona-Zeit sicher wieder aus dem Wortschatz verschwinden wird. Aber momentan war es in allen Medien zu lesen und zu hören, weil der damit bezeichnete Vorschlag von Herrn Laschet eben viel diskutiert wurde und wohl auch noch eine gewisse Zeit lang diskutiert werden wird."

Stand Anfang April sind 1351 Wörter in der vom Leibniz-Institut geführten Corona-Wortschatzliste enthalten. Das sind 280 mehr als im Dezember 2020. Klosa-Kückelhaus sagte der "Heilbronner Stimme": "Allerdings sind dies nicht allein Wörter, die im ersten Quartal 2021 aufgekommen sind, sondern solche, die wir in diesem Zeitraum bearbeitet haben. Parallel zu den bearbeiteten Wörtern haben wir weiter Kandidaten für die Liste gesammelt, das sind insgesamt nochmal etwa 950. Hierunter sind etwa 250 zwischen Januar und März 2021 aufgenommen worden."

Ob ein Wort in die Liste aufgenommen wird, hängt entscheidend davon ab, welchen Niederschlag es in der öffentlichen und politischen Debatte findet, auch die mediale Begleitung spielt eine große Rolle. Schwerpunkte lassen sich laut Klosa-Kückelhaus immer wieder entlang des aktuellen Tagesgeschehens ausmachen.

Die Wissenschaftlerin erläutert: "Einige Wörter des ersten Quartals 2021 stammen aus der Berichterstattung rund um das Thema Impfen - zum Beispiel Impfpriorisierung, Impfmafia, Impfstoffnationalismus, Impfvorrang, Impftourist -, andere bezeichnen Virusmutationen, z.B. Britenvirus, B.1.1.7-Mutante." Schließlich gehe es auch um Lockerungs- und Öffnungsstrategien oder Strategien, wie das Virus ganz beseitigt werden kann - z.B. No-Covid-Strategie, Green-Zone-Strategie. Als weitere besonders bemerkenswerte Begriffe nennt Klosa-Kückelhaus die "Notbremse", Möglichkeiten des Terminshoppings wie Click & Meet und die "Osterruhe".

Heilbronner Stimme

Foto: pixabay / Tumisu, eigene Bearbeitung



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